Canton GLE 90 S2 und Smart Amp 5.1 S2 im Test – das Duo für großartigen Sound im Gaming

Manchmal greifen Dinge wie von selbst ineinander. Meinen ersten Kontakt zu Canton hatte ich mit deren CEO Christoph Kraus im letzten Jahr bei den HiFi Tagen in Darmstadt. Aus einem interessanten Gespräch entwickelte sich eine schon jetzt tolle Zusammenarbeit, denn wir werden Canton sowohl auf der High End in Wien, als auch auf der gamescom in Köln zum Thema HiFi im Gaming präsentieren. Nun steht hier für einen ersten Test die aktuelle Canton GLE 90 S2, die wir an die Xbox gehangen haben, um uns deren Stärken beim Gaming-Sound zu Gemüte zu führen. Damit die Speaker auch korrekt aufspielen, haben wir dazu den Canton Smart Amp 5.1. S2 als AV-Receiver erhalten.

Canton stellt mit der GLE 90 S2 aber nicht nur einen Speaker, sondern gleich eine komplette Serie, die man sich nach seinen individuellen Bedürfnissen und entsprechend der eigenen Brieftasche anpassen kann. So gibt es gleich vier Standlautsprecher in verschiedenen Ausstattungen, von denen der GLE 100 S2 als größter Speaker der Serie für nicht einmal 900€ über die Ladentheke geht. Dazu kommen Kompaktlautsprecher, Wand- und Deckenlautsprecher, Heimkino-Speaker für die Höhenkanäle mit Center-Speaker und Subwoofer aller Größen und Preisklassen. Wer keine Lust hat oder sich nicht sicher ist, sich sein Heimkino individuell zusammenzustellen, erhält zwei verschiedene GLE 90 Sets mit allen benötigten Lautsprechern.

Die GLE 90 S2 – Design und Technik

Der Preis und die technische Ausstattung sind es, die das Set aus der Masse hervorheben. Man möchte bei Canton mit der GLE Serie ganz sicher keinen Schönheitspreis gewinnen, denn mehr klare Kante geht kaum. Rechteckig und wuchtig beschreibt das Aussehen beim Auspacken kurz und prägnant. Die GLE sind also eher keine Speaker für Menschen, die sich ihr Heim vornehmlich nach aktuell ästhetischen Maßstäben einrichten, sondern für Puristen, die obendrein Wert auf den bestmöglichen Klang für überschaubares Geld legen. Wer dennoch kein Schwarz oder Weiß mehr sehen kann, greift zumindest bei der GLE 90 S2 auf die Farbvarianten Makassar oder Nussbaum zurück. Canton selbst beschreibt das Design als wohnraumfreundliches Format und da die GLE-Serie der hausinterne Publikumsliebling ist, wird in dieser Aussage ganz viel Wahrheit stecken.

Und doch wirkt das Format nach der Aufstellung auf den zweiten Blick ungewöhnlich schlank. Bei einer Breite von nur 21 Zentimetern reichen die Tieftöner fast bis an den Rand des Gehäuses. Somit ergibt sich ein optisch einerseits wuchtiger Eindruck bei den Treibern, aber andererseits erscheint das Gehäuse durch diese Bauweise schlanker als andere Standlautsprecher. Es hat tatsächlich eine Weile gedauert, bis ich für mich diese vermeintlich optische Täuschung beim täglichen Zocken, netflixen oder dem Hören von Musik verarbeitet hatte. Die GLE 90 S2 nehmen neben dem TV mit ihrer Größe von 105 x 30 x 21 Zentimetern und einem Gewicht von fast 20 Kilogramm ihren Raum für sich ein, ohne optisch zu erschlagen.

Es sind die Treiber, die alle Blicke auf sich ziehen und die Art der Anordnung. Bilden bei den meisten Speakern die Hochtöner die Spitze der Sound-Pyramide, so sind sie hier zwischen dem Mittel- und den Tieftönern verbaut. Und noch etwas fällt tatsächlich erst auf den zweiten oder dritten Blick auf, wenn man die Canton GLE 90 S2 mit so vielen anderen Speakern vergleicht: Es ist das Fehlen der sogenannten Dustcap auf den Treibern, also der Kappe in der Mitte eines Tief- und auch Mitteltöners. Diese Kappe erfüllt üblicherweise eine Schutzfunktion und stabilisiert die Membran. Canton setzt jedoch auf eine durchgehende, konkav geformte Membran aus Aluminium und Titan sowohl beim Mittel-, als auch bei den Tieftönern. Hier wird durch einen chemischen Prozess die Oberflächenstruktur so verändert, dass die Steifigkeit erhöht und gleichzeitig die Eigenschaften der Resonanzdämpfung verbessert wird. Canton nennt diesen Prozess Aluminium-Titan-Black, kurz ATB.

Der Aufbau der GLE 90 S2 folgt dem klassischen 3-Wege-Bassreflex System mit einem Hoch- und einem Mitteltöner sowie zwei Tieftönern. Der Aluminium-Hochtöner misst 25 Millimeter, der Mitteltöner 174 Millimeter und spätestens bei den Maßen der Hochtöner wird klar, warum diese optisch die 21 Zentimeter Gesamtbreite des Speakers fast für sich allein einnehmen. Mit jeweils 19,2 Zentimetern bleiben pro Seite eben nur wenige Millimeter Platz bis zum Rand. Damit entsteht die oben bereits beschriebene Optik, die den Lautsprecher eben einerseits schlank wirken lässt, aber doch durch das Maß der Tieftöner ein Gefühl von Wucht vermittelt.

Der Canton Smart AMP 5.1 – der richtige Anschluss

Kein passiver Speaker läuft ohne den entsprechenden Receiver bzw. Verstärker. Wer sich mit dieser Materie beschäftigt, hat unweigerlich massive AV-Receiver anderer Marken vor Augen, die mit ihren unzähligen Funktionen bei Klang, Quellen oder sonstigen Einstellungen den eher unbedarften Nutzer auch schnell überfordern können. Dass es auch einfacher geht, ohne an Funktionalität einzubüßen, zeigt der Canton-eigene Smart Amp 5.1 S2. Kleiner als die Xbox Series X fügt sich der kleine Verstärker dort ein, wo er seinen Platz finden soll. Und dass muss eben aufgrund der überschaubaren Größe nicht das Phonoregal sein.

Hinter dem unauffälligen Design in Schwarz, an der Front einzig unterbrochen durch das mittig platzierte Display, versteckt sich all die Technik, die sowohl Gaming- und Heimkino-Fans mit möglichst vielen Speakern, als auch Stereo-Puristen für den Klang ihrer Musik benötigen. So können an den kleinen Amp bis zu sechs kabelgebundene Speaker angeschlossen werden. Wer sich für ein komplett kabelgebundenes Setup entscheidet, kann sogar bis zu acht Wireless Lautsprecher der Canton Smart Serie anschließen. Diese beiden Kombinationen lassen sich sogar gemeinsam nutzen – verkabelte Speaker an der Front, wireless Speaker für den Surround-Klang. Damit bietet der Smart Amp mehr Möglichkeiten, als dies so mancher AV-Receiver ermöglicht.

Aber Speaker allein bringen nicht viel, wenn nicht auch die entsprechenden Zuspieler ihren Platz finden. Und davon dürfen reichlich angeschlossen werden. Der Amp 5.1 bietet vier HDMI-Zugänge, davon einer mit eARC, allerdings noch mit HDMI 2.0. Dieser ist somit der optimale Eingang, um den Sound vom TV für Gaming und Heimkino mit der bestmöglichen Tonqualität abzuholen. Unterstützt werden hier Dolby Atmos, DTS-HD, Dolby Treu HD und andere Formate. Zu den HDMI-Anschlüssen mit 4K, 3D, HDR, HDCP2.2, CEC gesellen sich ein klassischer Cinch-Zugang sowie jeweils ein koaxialer und optischer Eingang. Somit bietet sich eine große Spielwiese für alle Arten von Zuspielern. Wer allerdings einen Plattenspieler anschließen mag, muss darauf achten, dass dieser über einen eigenen Vorverstärker verfügt.

Ich persönlich bin kein Fan von Touch-Displays, ganz einfach deshalb, weil man bei glänzenden Oberflächen immer Fingerabdrücke und Staub sieht und somit ständig mit dem Putztuch bereit stehen muss. Daher – und weil der Smart Amp 5.1 in meinem Phonoregal aufgebaut ist – nutze ich lieber Fernbedienungen. Auch bei der mitgelieferten Handschaltung zum Amp spart man bei Canton nicht an Qualität und legt Wert auf Übersichtlichkeit. Alle notwendigen Konfigurationen und Einstellungen wie unterschiedliche Klang-Modi lassen sich mit wenigen Handgriffen finden und erledigen. Wem die Einstellungen hier zu unübersichtlich sind, erledigt das entweder über das Onscreen-Menü am TV oder aber über die Canton Smart App. Hier lassen sich auch verschiedene Musik-Streaming Dienste nutzen, um seine Musik zu genießen.

Aufbau und Nutzung von GLE 90 S2 und Smart Amp 5.1

Üblicherweise nutze ich ein 5.1.2 Heimkino, bestehend aus einer Kombination von Yamaha- und Nubert-Speakern, sowie einem Yamaha AV-Receiver. Für diesen Test habe ich auf all das verzichtet und mit dem Canton Smart Amp und den GLE 90 S2 ein reines Stereo-System aufgebaut. Hier geht es in erster Linie um den unverfälschten Klang der Speaker und nicht darum, wie diese sich in ein bestehendes System einfügen, auch wenn ich die Lautsprecher zum Abschluss des Tests auch statt der Soavos verwendet habe.

Der Aufbau des Smart Amp sowie der Speaker ist selbst für den weniger versierten Nutzer innerhalb weniger Minuten erledigt. Da es sich hier um einen Test zum Klang im Gaming dreht, habe ich meine Konsolen mit meinen Oehlbach Gaming Kabeln mit dem TV verbunden. Der TV selbst wurde per HMDI am entsprechenden eARC-Anschluss angeschlossen. Speaker und Smart Amp verfügen über Schraubklemmen, aber auch Bananenstecker lassen sich verwenden. Es wird Zeit, sich dem spaßigen Teil des Tests zu widmen. Xbox angeschaltet, die Quelle am Amp auf TV und den Klang auf Stereo gestellt, es kann mit Forza Motorsport losgehen.

Racer muss man laut spielen, ich möchte alle Details nicht nur optisch, sondern auch akustisch mitbekommen und Motorsport ist (noch) immer eine laute Angelegenheit – mal schauen, wie sich Rennspiele auf Konsole oder PC irgendwann einmal anfühlen, wenn es nur noch Elektro-Autos gibt? Egal, die ersten Runden werden gedreht und ich stelle fest, dass es mir an Tiefton fehlt. Der Motor meines Ford Focus ST klingt zu zahm und auch die anderen Fahrzeuge ergeben noch nicht die gewünschte Soundkulisse. Also wird der Bass nachjustiert, schließlich verfügen die GLE 90 S2 über jeweils zwei überdimensionierte Tieftöner, die entsprechend genutzt werden wollen. Und jetzt klingt das Game nach Racing.

Mein Fuhrpark in Forza ist inzwischen recht groß, so dass ich verschiedene Fahrzeuge nutze, allein um dem Klang der unterschiedlichen Motoren und Auspuffanlagen zu lauschen. Je nachdem welchen Sportwagen ich hier bewege, die GLE 90 S2 lassen den entsprechenden Sound fast schon brachial in mein Heimkino entweichen. Wer einmal im Porsche 911 GT3RS über die Nordschleife des Nürburgrings chauffiert wurde weiß, wie laut sich Rennsport im Inneren eines Sportwagens anhört. Und dieses Gefühl möchte ich auch so authentisch wie möglich mit Lautsprechern an der Konsole erleben, auch wenn hier die G-Kräfte in Kurvenfahrten vollkommen fehlen.

Aber egal welches Auto ich nutze, ob ich knatternd die Curbs treffe oder über Randsteine fahre, ob ich die Reifen bis ans Limit ausreize und die quietschend Rückmeldung geben, die Canton GLE 90 S2 sind hier mit Macht dabei und vermitteln so realistisch wie möglich Rennsport. Ich bin tatsächlich überrascht, wie die Tieftöner mit Dynamik glänzen, ohne den Klang für sich einzunehmen. Aber so viele Dezibel im Tiefton verwende ich tatsächlich nur bei Racern, ansonsten mag ich Bass eher gesittet. Mal schauen, wie sich das Klangbild bei Path of Exile 2 darstellt?

Dieses Game ist als ARPG einer der erfolgreichsten Titel der letzten beiden Jahre. Trotz Beta-Phase bietet das Spiel ein fantastisches Gameplay und ständige Updates über den Kontakt zur Community bescheren PoE2 eine stetig wachsende Fanbase. Auch ich habe mich überreden lassen, das Spiel zumindest einmal zu starten und zu schauen, ob mir das gefällt? Ich war und werde kein Diablo-Fan mehr, aber PoE2 hat mich auf Anhieb trotz der für mich als Laien steilen Lernkurve abgeholt. Und was gibt es nach einem arbeitsreichen Tag vor dem PC Schöneres, in Form eines muskelstrotzenden Barbaren Monster nach allen Regeln der Kunst in die ewigen Pixel-Abgründe zu schicken?

Bei diesem Game sind es nicht die orchestralen Soundtracks eines Clair Obscur, die das Spiel so intensiv machen, es sind diese unfassbar vielen kleinen Geräusche, die ein so stimmiges Gesamtbild ergeben und somit jede einzelne Landschaft zu etwas besonderem machen. Je nachdem, wo ich mich bewege, klingen meine Schritte anders. Wüste, Dschungel oder ein Steinboden in einer Höhle ergeben somit schon akustisch einen vollkommen anderen Eindruck der optisch dargestellten Landschaften. Allein die eher unscheinbaren Hall-Effekte in einer Höhle oder einem Dungeon bringen die GLE 90 S2 so perfekt an die Ohren, dass man wirklich das Gefühl hat, sich in einem geschlossenen Raum zu befinden.

Dazu kommen die verschiedenen Monster und Endgegner, die ihre eigene Soundkulisse haben und der Klang der so vielen verschiedenen Zauber, wenn diese gewirkt werden. Gerade mit fortlaufendem Game und je nach gewähltem Charakter fliegen hier Feuer, Eis oder Blitze hin und her und entfachen so ein akustisches Inferno, welches das Geschehen auf dem Display noch einmal auf ungeahnte Level bringt. Mit fortschreitenden Fähigkeiten nehmen Soundeffekte bei Magie oder aber auch im Nahkampf noch einmal an Intensität und Dauer zu, ohne jedoch die 90 S2 ansatzweise zu beeindrucken. Gerade die Effekte im Mittel- und Hochtonbereich sind so klar und intensiv, ohne überzeichnet zu klingen oder im Hochton Bereich sogar stressig zu wirken.

Mehr zum Spaß, denn um die GLE 90 S2 zu fordern, musste ich mich dem letzten Bomberman widmen. Der erste Teil erschien bereits 1983 und dieser bot einen der ersten Mehrspieler-Modi gemeinsam vor der Konsole. Im Laufe der Jahre erschienen immer neue Teile und Ableger, aber wirklich perfekt spielbar waren nur Bomberman 2 auf dem SNES und die Version von 1996 auf dem Sega Saturn. Aber weil man mit Retro-Games immer noch gutes Geld verdienen kann, veröffentlichte Konami Anfang des Jahres mit der Super Bomberman Collection eine Sammlung von sieben verschiedenen Bomberman-Titeln. Leider ist auch hier nur Bomberman 2 tatsächlich spielbar, weil in allen anderen Titeln die hakelige Steuerung den Spielspaß verdirbt. Nicht umsonst steht dieses Game als japanische SNES-Version noch immer in meinem Regal.

Ich hatte das Gefühl, dass die GLE 90 S2 einen Moment nervös zuckten, als hier der 16-Bit Sound einer längst vergangenen Ära aufspielte. Die nach heutigen Maßstäben nervige Hintergrundmusik gehört einfach zum Game und auch die eher spartanischen Soundeffekte beim Bewegen der Figur oder dem Werfen von Bomben und deren Explosionen ziehen heute keinem Gamer mehr die Wurst von der Stulle. Und dennoch macht das Game einen Heidenspaß, gerade wegen des Minimalismus in Sachen Grafik und Sound. Wo heute zu viele Spiele versuchen, mit überbordender Grafik fehlenden Spielspaß zu kaschieren – siehe Assassins Creed – geht es bei Bomberman um Reaktion und Spielspaß. Und offensichtlich hat auch das gesamte Canton-Set das verstanden und spielte brav mit – wenn auch komplett unterfordert.

Und sonst so?

Selbstverständlich musste das Canton-System hier mehr als nur Gaming-Sound über sich ergehen lassen. Filme und Musik sind hier fester Bestandteil und der Eindruck, den alles bereits beim Gaming hinterlassen hatte, bestätigte sich auch bei Netflix und Tidal. Da ich Filme gerne in kinogerechter Lautstärke höre, war ich gespannt, wie sich das Set bei Action macht? Aber auch hier zeigen die GLE erwartungsgemäß keinerlei Schwächen. Ob als Stereo-Set im Verbund mit dem Smart Amp 5.1 oder als Teil des kompletten Heimkinos am Yamaha RX-2080A, der Klang ist durchgängig neutral, ohne einzelne Frequenzen in den Vordergrund zu spielen.

Bei Musik hatte ich obendrein das Gefühl, hier ein breiteres Abstrahlverhalten zu bemerken, als das meine Soavos üblicherweise bieten. Auch wenn ich mich nicht unbedingt im Sweet Spot aufgehalten habe, so erschien mir der Klang noch immer klar und breit aufgefächert. Auch in höheren Pegeln sind die Speaker voll dabei. Man muss schon ganz weit über die Schmergrenzen hinaus gehen, um die GLE 90 S2 tatsächlich herauszufordern. Die angegebene Musikbelastbarkeit von 320 Watt lässt die Leistungsreserven bei bereits weit nach rechts gedrehtem Lautstärkeregler erahnen.



Link zum Hersteller: Canton GLE 90 S2 & Canton Smart Amp 5.1 S2