Ich habe nahezu jedes Total War gespielt. Angefangen bei den Pixel-Schlachten des ersten Shogun-Teils bis hin zu den kolossalen, filmreifen Fantasy-Gemetzeln von Warhammer 3. Doch nicht nur ich fühle, dass diese wunderbare Videospielreihe seinen Zenit schon sehr lange überschritten hat. Fans wenden sich nun aus den verschiedensten Gründen anderen Spielen zu. Mittlerweile dürfte es einen ganzen Markt für Spiele geben, die wie Total War sind, aber doch von anderen Entwicklern stammen. Es überrascht daher wenig, dass immer mehr Entwickler diesen Markt bedienen wollen.
So bin ich auch auf diese neue Strategieperle gestoßen, welche sich den Siebenjährigen Krieg als Setting gewählt hat. Und da einer meiner Lieblingsableger von Total War das Add-On „The Last Samurai“ für Shogun 2 ist, überrascht es wohl niemanden, dass mich das 18. Jahrhundert besonders reizt. Schlagwort: Schießpulver-Fetischist. Das Objekt meiner Gelüste, welches den etwas stumpfen Namen „Master of Command“ trägt, verzichtet dabei auf die Aufbau-Rundenstrategie-Komponente und ersetzt diese durch das Steuern einer einzelnen Armee. Die taktischen Schlachten ähneln dabei sehr „Empire: Total War“. Aber genug von der sachlichen Vorstellung, hier geht es schließlich darum, Fantasien zu beflügeln.
Das Folgende entstammt dem königlichen Chronisten Friedrichs des II. Dieser schrieb im Jahr 1765 die Gedanken des Königs von Preußen nieder. Es handelt sich um einen Auszug.
Es begann in der Picardie im Jahr 1756. Mein Offizier von Anhalt-Dessau und ich begannen mit einem Regiment Preußischer Musketiere, einem Regiment Preußischer Dragoner und zwei Regimentern Kantonisten-Rekruten. Ziele waren, drei Siedlungen und fünf Elendsviertel niederzureißen, bevor die französische Hauptarmee bereit war. Kein leichtes Unterfangen, aber die Franzosen sind kein Gegner. Direkt hinter der Grenze wartete bei einem Vorratslager bei Malplaquet eine kleine Patrouille der französischen Streitmacht. Unsere 4.800 Mann waren ihren 3.200 zahlmäßig überlegen. Auch ihre Ausrüstung und Erfahrung ließen zu wünschen übrig. Von daher ist jedes Detail über den Verlauf der Schlacht verlorene Zeit. Nur so viel: 89 tapferer toter preußische Soldaten fügten den feigen Franzosen eine herbe Niederlage zu.

In Malplaquet verkauften wir Überreste der Schlacht. Außerdem schlossen sich uns 350 freiwillige Reservisten an. Wir stellten eine neue Brigade auf und rekrutierten ein weiteres Regiment Rekruten. Danach brannten wir das Dorf nieder. Es war zwar nie meine Art, Unschuldige in den Krieg zu ziehen, allerdings war es zum Bestehen dieses Feldzugs zwingend notwendig. An Tag 7 setzten wir unsere Reise Richtung Süden fort. Dort fanden wir einen unbemannten Außenposten. Wir standen vor der Wahl, ihn abzubauen und so ein paar Taler zu verdienen oder ihn mit einer Garnison zu besetzen und so die Ankunft der Hauptarmee des Feindes um eine Woche zu verzögern. Zeit ist alles. Tag 9, Marsch Richtung Osten zum ersten Elendsviertel. Für 60 Taler verrieten uns die Bauern die Position jedes Dorfes im Gebiet. Ein Vorteil, der entscheidend war.

Am 14. Tag überfielen wir Ressons. Danach folgten wir der Straße Richtung Osten. An Tag 22 trafen wir auf eine Patrouille von 6.350 Franzosen. Da sie unseren weiteren Vormarsch behinderten, stellten wir sie bei Ressons. Der Feind besaß Artillerie. So war es von größter Wichtigkeit, schnell vorzurücken. Die erste Salve tötete 33 Mann bester Preußischer Musketiere. Die Dragoner sollten über die linke Flanke den Fluss überqueren, um die französische Stellung in Bedrängnis zu bringen. Durch strammes Marschieren gelang es uns, im Schutze des Dorfes Stellung zu beziehen. Nicht optimal, aber doch besser als die der Franzosen. In ihrer Verzweiflung erstürmten die französischen Füsiliere das Dorf. Ein gewagtes Manöver. Im Nahkampf sind Füsiliere zwar stärker, aber der Weg hatte sie so erschöpft, dass ein Gegensturm unserer Rekruten den Feind in die Flucht schlug. Ihr Zentrum lag offen. Ihre Flanken am Rand der Flucht. Ein Bajonett-Angriff aller Regimenter sollte den Rest erledigen. An diesem Tag verloren wir 1314 Männer. Ein Verlust, aber doch ein Sieg. Die Gefangenen nahmen wir mit in unsere Armee auf, wir brauchten sie. Am Tag darauf marschierten wir weiter Osten nach Doullens.

Am Morgen des 25. Tages stellten wir eine weitere Patrouille vor Doullens. Diese Schlacht verlief ähnlich wie die einige Tage zuvor. Am Abend erreichten wir Doullens. Dort holten wir Reservisten, verkauften unsere Schlachtbeute und rüsteten unsere Regimenter mit besserer Ausrüstung aus. Auch zwei neue Regimenter nahmen wir auf, beide Rekruten. Danach brannten wir Doullens nieder. Unser erstes Ziel war damit abgeschlossen. Durch dessen Erfüllung schlossen sich uns ein Regiment Bayreuther Dragoner an, eine Elitetruppe. So zogen wir weiter nach Osten; wir brauchten bald eine Stadt, um einen neuen Offizier in unsere Reihen aufzunehmen. Auf der Straße fanden wir ein einsames Lager mit einer einzelnen Person. Er überzeugte uns, ein fähiger Kommandant zu sein und so nahmen wir ihn für 100 Taler auf. Ewald Christian von Kalckstein sollte die zukünftige Dragoner-Brigade anführen. Am 37. Tag passierten wir La Capelle. In der Ferne erspähten wir eine französische Abordnung von 5.600 Mann, welche die Straße Richtung Norden nach Denain nahm. Unser Ziel war klar.

Vor den Toren der Stadt Denain gab es für die Franzosen kein entkommen. Sie wurden vernichtend geschlagen, die Überlebenden eingegliedert. In Denain rekrutierten wir Ewald Christian von Driesen. An der Stelle muss erwähnt werden, dass Ewald Christian ein sehr beliebter Name ist. Ein nahezu unfähiger Mann, allerdings war er günstig zu haben. Er sollte später unsere dritte Brigade anführen. Im Stadtzentrum kauften wir Kaffeerationen. Diese sollten unsere Infanterie noch schneller zu Fuß und im Nachladen machen. In den Ställen kauften wir ungarische Pferde für unsere Dragoner. Ein paar Reservisten verpflichteten wir außerdem. Danach verließen wir Denain wieder.

In den folgenden Wochen zogen wir durch das Land, verstärkten unsere Armee und bereiteten uns auf die nahende Hauptstreitmacht der Franzosen vor. Tag 68, Schlacht von Ardres. 8.775 Franzosen aufgerieben. 512 Preußen gefallen. Tag 70, weitere 8.775 Mann vernichtet. 849 eigene Gefallene. Tag 96, 13.875 gegnerische Verluste. 2942 Preußen. Und zwei der tapfersten in Preußens Geschichte: Moritz von Anhalt-Dessau, Ewald Christian von Driesen. Gefallen für das Vaterland. Stark dezimiert zogen wir zu einem nahen Außenposten. Dort schlossen sich uns ein weiteres Regiment Linieninfanterie an. Doch unsere Regimenter waren führungslos. Folglich brauchten wir neue Offiziere. Wir zogen nach Compiègne.

Primislaff von Normann sollte die Hauptbrigade führen. Er war eifrig und effizient. Der Zweite war bekannt für seinen Scharfsinn. Gabriel zu Sayn-Wittgenstein. Beide recht unerfahren, nahmen wir sie wohl eher, weil es keine andere Option gab. Dennoch steckten sie voller Motivation. Mit der Beute der letzten Schlacht verbesserten wir unsere Truppen. Wir kauften Karabiner für unsere Kavallerie und statteten sie mit Schrotkugeln aus. So sollte ein preußischer Kavallerie-Ansturm tödlicher sein als jeder andere. Danach brannten wir die Stadt nieder und machten uns zu den letzten Elendsvierteln auf.

Auf dem Weg schlugen wir eine weitere Patrouille. Angekommen bei dem letzten Elendsviertel, sabotierten wir die Hauptarmee des Feindes. Eine weitere Woche Zeit. Durch die Erfüllung unseres Ziels wurde unsere Infanterie motiviert. Zukünftig sollte sie sich schneller bewegen. Wir zogen wochenlang durch die Ortschaften dieser Region. Douay, Calais, Saint-Omer, Lens, Amiens. Überall verstärkten wir uns für die große Schlacht. An Tag 176 stellten wir die feindliche Hauptstreitmacht bei Douay. Unsere Armee wuchs auf 17.600 Mann. Vier Brigaden mit elf Infanterieregimentern, wovon eines französisch sprach. Vier Kavallerieregimenter. Der Feind stellte neun Regimenter Infanterie, drei Kavallerie und drei Artillerie, 15.350 Franzosen. Der Schlachtplan war klar: Schnell vorrücken, Kavallerie auslöschen und Gegner flankieren. Sie wurden angeführt von Francois-Philippe de Bougainville. Es sollte sein letzter Tag sein.

Im Osten gab es einen Hügel. Dort sollte sich unsere Elite versammeln und den Feind zerschießen, während die Dragoner ihn rechtsseits umlaufen und so die rechte Flanke des Feindes zur Aufgabe zwangen. Die anderen Linien sollten die Stellung halten. Im Westen gab es ein Dorf und Felder, gut für Deckung. Unsere schnelle Infanterie sollte diese Schlüsselpositionen vor dem Feind erreichen. Sollte. In den ersten Momenten stürmte die Infanterie den Hügel. Vollkommen erschöpft bezog sie Stellung. Zeitgleich erreichten die Dragoner den Wald östlich des Hügels. Die Franzosen spürten, dass sie schlechtere Position hatten, also beschlossen sie, außer Reichweite der Hügel Stellung zu beziehen, während ihre Artillerie die Moral unserer Rekruten dezimierte. Unser Plan ging nicht auf. Sie warteten auf uns. Ich ließ unsere Truppen ausruhen, um dann vorzurücken.

Unser bestes Regiment eröffnete zuerst das Feuer. Die erste Salve aus ihren Charleville-Musketen raffte 150 Mann dahin. Sekunden später sollte auch der Rest der Elite feuern. Unsere gesamte rechte Flanke schoss nun, während die Rekruten noch hinterherhinkten. Man merkte, sie waren untrainiert… vor allem das Regiment Franzosen. So kam es, dass unsere Kavallerie die französische Flanke attackieren musste, bevor die Hälfte unserer Armee überhaupt die Kampflinie erreichte. Unsauber, aber das Momentum durfte nicht verpasst werden. 2.000 Dragoner stürmten nun auf die Franzosen. Die ersten zwei Regimenter brachen, danach war die Kavallerie erschöpft. Die rechte Flanke geschlagen, die linke kurz vorm Zusammenbruch, im Zentrum hunderte Tote. Die Franzosen hetzten ihre Kavallerie auf die unsere. Durch die große Erschöpfung und den Tod Ewald Christian von Kalcksteins floh der Großteil unserer Kavallerie. Aber die hatten ihren Zweck erfüllt. Die verbliebende feindliche Kavallerie wurde zerschossen. Die fünf verbliebenden Infanterie-Regimenter von unseren Büchsen erledigt. Ihre Artillerie floh. Sieg. Die Schlacht war gewonnen, doch der Krieg noch lange nicht vorbei.

So spielt sich der erste Akt von Master of Command. Das Spiel bietet großartige Schlachten, eine innovative Kampagne und womöglich das beste Kampfsystem, das ein Spiel mit dem Setting des 18. Jahrhunderts haben kann. Es macht unfassbar Spaß, seine Truppen zu verbessern und mit stärkeren Items auszustatten. Durch eine recht hohe Einstiegsschwierigkeit ist es ratsam, in jeder Schlacht so viele Ressourcen wie möglich zu schonen. So gibt es keine langweiligen Kämpfe. Durch eine Vielzahl an Ländern und verschiedenen Armeen gibt es eine sehr hohe Wiederspielbarkeit. Außerdem wird das Spiel fortwährend verbessert, so kam vor Weihnachten mit dem Heiligen Römischen Reich eine neue Fraktion hinzu, kostenlos wohlgemerkt. Für mich hat Master of Command jedenfalls eine Lücke gefüllt, die Total War: Empire und Fall of the Samurai vor über einem Jahrzehnt hinterlassen haben.
Fazit:
Wem ein Total War mit Schießpulver fehlt, wem außerdem die Kampagne bei Total War zu langweilig ist und wer eine neue Herausforderung sucht, der ist hier gut aufgehoben. 30€ geht absolut klar, denn wer wirklich alles ausprobiert, wird über 100 Stunden ohne Probleme versenken können. Und auch Leute, die mit dem Genre fremdeln, können sich gerne mal versuchen. Durch die lineare Kampagne und die recht schnellen Gefechte, lernt man das Spiel recht schnell und hat keine große Einstiegshürde.
