Total War ist ein Strategie-Riese. Zur Jahrtausendwende begann eine Reise, welche für den Strategiebereich einmalig sein dürfte. Seit 2000 kamen 16 Spiele raus, mit Total War: Pharaoh im Jahr 2023 das Letzte. Durch Titel wie Rome, Medieval 2, Attila oder der Warhammer-Reihe dürfte es im Strategie-Kosmos kaum jemanden geben, der noch nie etwas von Total War gehört hat. Doch dürften sich die meisten Fans einig sein, dass die glorreichen Zeiten dieser Reihe der Vergangenheit angehören. Auch das 2022 erschienene Warhammer 3 ändert daran nichts. Auf dem Papier ein echter Strategie-Koloss, leidet aber unter Soft-Problems wie fehlendem bug-fixing und überteuerte DLC’s. Auch die maximalst mittelmäßigen Neuerscheinungen helfen da nicht. Aber wie konnte das passieren? Ein kleiner Überblick über die Probleme und die Chancen.

Total War fehlt der nächste Step
Seit 25 Jahren begleitet uns diese Serie. Schaut man sich die Entwicklung der ersten 12,5 Jahre und der zweiten an, fällt einem eine Sache auf: Die Unterschiede zwischen den Spielen werden immer geringer. Von 2000 bis 2013 ist der Unterschied merkbar. Shogun 1 und Rome 2. Sieht man sich nur Screenshots an, fühlt man sich wirklich alt. Das sollen 13 Jahre Entwicklung sein? Unfassbar. Der Unterschied zwischen Rome 2 und Pharaoh ist für mich allerdings nicht erkennbar. Gut, hier sind es auch nur zehn Jahre (2013-2023), aber trotzdem. Bei einem Screenshot-Vergleich fragt man sich wohl eher, ob es wirklich verschiedene Spiele sind. Und da bezieht man sich nur auf die Grafik, nicht mal das Spielerlebnis, was sich gleich anfühlt.

In der gesamten Reihe kamen vier Engines zum Einsatz: Die TW1 für Shogun und Medieval, TW2 für Rome und Medieval 2, sowie die Warscape 32- und 64-bit ab Empire bzw. Warhammer 1. Wieso ist das wichtig? Weil jede neue Engine die Reihe merklich verändert hat. Nicht so sehr in den Schlachten – welche zwar grafisch aufgehübscht und mechanisch etwas anspruchsvoller wurden – die waren schon immer auf dem jeweils besten Stand ihrer Generation, allerdings stark in den Kampagnen. Während die TW1-Engine noch ein komplett anderes Kampagnenerlebnis bot, kam mit der TW2 die Art der Rundenstrategie, welche die Reihe berühmt machte. Rome und Medieval 2 gelten als die absoluten Legenden unter den Total War-Spielen – die sogar heute noch ordentliche Spielerzahlen genießen. Nie wieder sollte Creative Assembly zwei so starke Spiele nacheinander rausbringen. Der Schritt von Medieval 1 zu Rome war einfach nur enorm. Und das in nur zwei Jahren Entwicklung. Gleiches gilt für den Schritt von Medieval 2 zu Empire, wobei Empire der letzte Feinschliff bis heute fehlt. Ein gutes, kreatives Spiel war es trotzdem.

Spulen wir ein bisschen vor und sehen uns die Spiele zwischen 2016 und 2023 an. Warhammer 1, Warhammer 2, Thrones of Brittania, Three Kingdoms, Troy, Warhammer 3 und Pharaoh. Selbst als großer Fan der Reihe, habe ich in diesen Titeln zusammen (Warhammer 1-3 ausgenommen) nicht mal halb so viele Stunden wie in einem Medieval 2 verbracht. Auch mit der Warhammer-Trilogie hatte ich anfangs stark gefremdelt, hat mich das Fantasy-Szenario doch abgeschreckt. Zumindest kann ich heute anerkennen, dass es trotzdem gute Spiele sind. Filmreife Schlachten, hunderte verschiedene Einheiten aller Rassen, einzigartige Völker. Das ist kreativ. Es sind zwar halbherzig erstellte Kampagnen, aber das ist immer noch mehr, als die anderen Spiele zu bieten haben (Wer hat die überhaupt gespielt?).

Bevor wir zu meinem Kern-Problem mit der modernen Total War-Reihe kommen, der Kampagne, noch eine Handvoll anderer Probleme. Die DLC’s sind teuer und bringen wenig Inhalt. Fans der alten Teile mögen das Fantasy-Genre schlichtweg nicht. Sie spielen lieber die historischen Spiele. Bugs bleiben in Spielen monate- oder jahrelang ungepatcht, obwohl sie bekannt sind. Dabei geht es zum Beispiel in Warhammer 3 nicht um Kleinigkeiten. Ganze Völker nehmen an der Kampagne als KI gar nicht teil. Sie machen einfach nichts. Weitere kleinere Probleme gibt es selbstverständlich, davon auch nicht zu wenige. Ein Problem schwebt aber über allem: Ambitionslosigkeit. Man hat einfach nicht das Gefühl, als würde Creative Assembly sich übertrumpfen wollen, sondern möglichst viel Geld, mit dem immer selben Spiel abschöpfen.

Die Kampagne ist einfach nur langweilig. Man macht mit jeder Fraktion nahezu das Gleiche, da sich die Spiele nicht unterscheiden. Man startet mit einer Siedlung, versucht seine Nachbarn zu erobern um größer zu werden und sich immer größeren Gegnern zu stellen. In seinen Siedlungen kann man nur eine begrenzte Anzahl an Gebäuden bauen, man muss also gut überlegen. Klar bietet das mehr taktische Tiefe als einfach alle Gebäude bauen zu können wie früher. Mich nervt es aber. Gute Ansätze wie Story-Kampagnen wurden nur halbherzig umgesetzt. Vermutlich auch, weil der größere Teil der Community kein Fan dieser war. Es gibt einfach keine Ziele in den Kampagnen außer die Weltherrschaft. Früher war es zwar kaum anders, aber da habe ich auch nicht mehr erwartet. Für das Jahr 2006 war alles einfach so revolutionär. Für das Jahr 2025 erwarte ich einfach mehr.

Wie die Konkurrenz aufholt
Längst hat CA seinen technologischen Vorteil verspielt. Zu viele Jahre des Stillstands. Viele Konkurrenten versuchen in ihre Spiele eigene Echtzeit-Schlachten im Total War-Stil einzubauen und interessanterweise werden dabei nur die Schlachten kopiert, nicht aber die Kampagne. Und das passiert seit Jahren. Echtzeit-Schlachten mit Tausenden von Einheiten ist einfach für ein Spiel nicht mehr ausreichend. Es muss mehr drumherum geben. Knights of Honor 2 bietet eine Total-War Alternative in Echtzeit statt Rundenbasiert. Manor Lords lässt uns unser eigenes Dorf bauen, welches wir mit denselben Bewohnern vor Banditen verteidigen können. Master of Command mischt die Battle Brothers Kampagne mit Empire: Total War Schlachten. Strategos möchte die Rome-Schlachten mit Dutzenden von Völkern verfeinern. Tabletop Tavern mischt Warhammer mit Slay the Spire, also Roguelike-Mechaniken. Sogar Anno hat jetzt Belagerungen wie in Total War.

Coole Echtzeit-Schlachten sind einfach kein Alleinstellungsmerkmal mehr, es wird ein Genre. Noch kommt die Konkurrenz nicht an die Grafik und Komplexität von Total War ran. Klar, immerhin liegt der Fokus von CA auf diesen. Filmreife Schlachten gibt es nach wie vor nur in Total War. Ich möchte aber eben kreative, neue Spiele spielen. Und nicht alle zwei Jahre dasselbe wie vorher. Das hat die Konkurrenz längst verstanden.
Auch Creative Assembly hat das vielleicht endlich verstanden. Seit mehr als zwei Jahren gab es keinen neuen Total War-Teil. Ein Zeichen, dass man sich im Umbruch befindet – eine so lange Pause gab es schlichtweg noch nie. Die Hoffnungen auf ein Empire 2 oder ein Medieval 3 steigen. Endlich wieder ein gutes Spiel, was richtig Spaß macht. Eine kreative Kampagne, nicht nur stumpfe Eroberung. Am 4. Dezember wissen wir mehr. Erste Gerüchte sprechen von einem Total War im Warhammer 40k Universum. Auch wenn ich gespannt bin, so fürchte ich persönlich, dass CA es immer noch nicht verstanden hat und es immer weiter den Bach runtergehen dürfte. Ich lasse mich jedoch auch gerne vom Gegenteil überzeugen. Zu lange sollten sie dafür aber nicht brauchen. Ein Master of Command hat die Lücke, die Shogun 2 und Empire hinterlassen haben, längst aufgefüllt. Andere werden folgen. Die Uhr tickt.
