Auf jeder HiFi-Messe ist der französische Hersteller Focal für mich immer ein Pflichttermin, auch wenn deren High-End-HiFi weit außerhalb meiner finanziellen Reichweite liegt. Aber ich liebe das Design und den Klang der Speaker und vor allem deren Kopfhörer. Nicht umsonst war hier über lange Zeit der Focal Elegia mein Referenz-Kopfhörer. Auf diesen Messen hatte ich mit Olaf Steinert von Focal immer wieder tolle Gespräche, aber irgendwie hatten wir danach nie wirklich zusammengefunden – bis jetzt. Denn endlich stehen die Focal Aria EVO X No.1 hier für einen Test.

Ein zeitloses und dennoch elegantes Design
Die Aria EVO X No.1 sind die kleinsten Speaker einer neuen Serie, die auf die in die Jahre gekommene Aria 900 folgt. Von EVO X No.1 bis No.4 mit zusätzlichem Subwoofer und Center-Speaker kann man sich nicht nur ein Stereo HiFi-Set hinstellen, sondern das System gleich zu einem kompletten Heimkino-Setup aufrüsten. Und wenn man wie ich den optisch wohl gleichen Vorgänger Aria 900 nicht kennt und damit nicht in den Fingern hatte, kann man nur sagen, dass das Design der Speaker zeitlos und edel ist, mich hat das sofort gepackt.
Das beginnt bei den nicht parallelen Seitenwänden, die sich nach hinten verjüngen und der Front mit einem schönen Ledereffekt. Weiter geht es, denn ein optischer Hingucker sind die beiden Töner. Statt des üblichen runden Designs beim Hochtöner findet man hier ein Oval vor, das dem Speaker ein vollkommen eigenständiges Aussehen verleiht. Mein persönliches Highlight ist jedoch die Flachs-Membran des Mittel-/Tieftöners aus französischen Leinen.

Mein Test-Set Aria EVO X No.1 ist als Regallautsprecher konzipiert, was nicht heißt, dass die Speaker dort auch ihren Platz finden müssen. Denn für das klassische Bookshelf ist die Optik viel zu schön. Gerade die Version mit Seitenwänden aus Walnuss ist ein wahrer Hingucker, aber auch mein schwarzes Hochglanz-Set macht nicht weniger her. Von daher dürfen die Speaker überall stehen, wo sie auch sofort ins Auge fallen. Damit die noch ein wenig mehr zur Geltung kommen, gibt es optionale Ständer aus Aluminium. Ich bin ungeduldig, also wird sofort losgelegt.
Aufgestellt und angehört – Der Klang
Auf den HiFi-Tagen in Leipzig spielten die EVO X groß in Sachen Musik auf. Der Hörraum bei Focal war bei allen Vorführungen voll und die Besucher genossen die Musik. Und dann falle ich ein und erzähle was davon, diese Speaker beim Gaming testen zu wollen. Mehr als nur ein Paar hochgezogene Augenbrauen waren die Antwort. Und dennoch ließ sich Olaf Steinert auf dieses Experiment ein, denn meines Wissens hat noch nie hat irgendjemand darüber berichtet, wie sich ein Set von Focal beim Gaming macht? Das liegt vermutlich daran, dass man den französischen Hersteller automatisch mit hochklassigen HiFi assoziiert und beim Gamer reflexartig die üblichen Klischees vor Augen hat. Es wird also Zeit, das zu ändern.

Was beim Thema Gaming von so vielen HiFi-Herstellern immer noch vergessen wird oder aber was die vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm haben ist, dass inzwischen zahlreiche Original Gaming Soundtracks bei den diversen Streaming Anbietern online sind. Angeschlossen an den audiolab 7000A, greife ich zum Start auf zwei Playlists auf Tidal zu. Die erste ist der Original Game Soundtrack von DOOM: The Dark Ages, komponiert vom Team Finishing Move. Die sind auch für den Sound von Borderlands 3+4 und Grounded 2 zuständig.
Auch wenn viele Fans Mick Gordon als Produzenten für den DOOM-Sound zurückfordern, finde ich, dass hier wirklich packendes Metal mit knallharten Gitarren-Riffs und einem überragenden Schlagzeug abgeliefert wird, der die brutal-düstere Atmosphäre des Games großartig einfängt. Die Focal Aria EVO X No.1 spielen schon bei dieser Playlist richtig gut auf, besonders der Tiefton überrascht mich, da das kleine Set ja „nur“ ein Zwei-Wege-System mit kombiniertem Mittel-/Tieftöner ist. Man staunt, was eine Membran aus Flachs alles zu leisten vermag.
Wer in diesen Tagen über Game Sound spricht, kommt definitiv nicht um Clair Obscur: Expedition 33 herum. Allein die Musik ist ein Grund für den Erfolg des Spiels, dass jedoch seinen Award Game of the Year 2025 aufgrund des Einsatzes von KI bei der Programmierung wieder abgeben musste. Dennoch bleibt der Award für den Soundtrack erhalten, denn der gehört zum Besten, was das Gaming in Sachen Klang aufzubieten hat, auch wenn man kein Fan von klassischer Musik oder französischem Chanson ist. Neben Klavier, Violine und Akkordeon sind gerade die Stücke mit Alice Dupont-Percier als Sängerin meine persönlichen Highlights. Die EVO X No.1 bringen jede Emotion der Stimme so glasklar an den Hörer, dass es mir eine Gänsehaut verursacht. Der vollständige Soundtrack erscheint am 06. Februar 2026 auch auf Vinyl und selbstverständlich habe ich den bereits lange vorbestellt.
Dass die Focal Aria EVO X No.1 HiFi können, wozu ich selbstverständlich auch diese Original Game Sounds zähle, war mir bereits vorher klar. Die haben das hier zu Hause nur noch einmal bestätigt. Nun hänge ich die Xbox an den TV und das Set muss sich im Gaming selbst beweisen. Denn wer sich ein Paar Speaker egal welchen Herstellers kauft, nutzt diese dann als Lautsprecher für alles, warum also sollen die EVO X nicht auch bei den zahlreichen Soundkulissen meiner Games groß aufspielen?
Als Inhaber des Xbox Game Pass Ultimate war es mal wieder an der Zeit, sich die angebotenen Spiele genauer anzuschauen, ganz einfach, weil ich in den letzten Wochen kaum Zeit zum Zocken gefunden habe. Ein Titel springt mir sofort ins Auge, der vollkommen an mir vorbeigegangen ist – Roadcraft. Ich wollte schon immer mal einen riesigen Bagger fahren. Das ist mir in der Realität bisher verweigert geblieben. Als Bauunternehmer mit über 40 Spezialfahrzeugen steht mir hier mehr als nur ein profaner Bagger zur Verfügung, wenn auch nur digital. Außerdem zeigt schon der Trailer, dass hier auch auf den besonderen Sound von Baumaschinen und Natur Wert gelegt wurde. Also das Spiel heruntergeladen und die Pegel weit nach rechts gedreht. Die EVO X No.1 werden ihren Spaß haben.

Meine Aufgabe ist, Straßen nach Naturkatastrophen wieder soweit herzurichten, dass Verkehr stattfinden kann, der dafür sorgt, dass Waren von A nach B kommen. Nun ist so eine Naturkatastrohe keine Kleinigkeit, dementsprechend umfangreich sind die Arbeiten und auch schon der bei Spielbeginn zur Verfügung stehende Fuhrpark, der im Laufe des Spiels anwächst. Muss ich anfangs mit dem Pick Up noch das Gelände erkunden, kommen schon bald die ersten Baumaschinen ins Spiel, von denen jeder seinen eigenen Sound mitbringt.
Nervt der tägliche Straßenlärm in der echten Welt eigentlich jeden, so ist es in der digitalen der Step 39331 Light Equipment Transporter, der mir schon beim Motorenstart aufgrund des gewaltigen Diesels ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Leider sind meine Straßen noch nicht so befestigt, dass der problemlos da hinkommt, wo er hinsoll und somit gelegentlich auch mal steckenbleibt. Aber wofür habe ich einen Fuhrpark mit einem Kettenfahrzeug? Also schicke ich das Khan Lo Field Service Vehicle los, um dem Truck die nötige Rückendeckung zu geben und den anzuschieben. Später kommen zahlreiche weitere Baumaschinen hinzu, wobei mir der Harvester zur Rodung eines Waldes am besten gefällt. Baum absägen und Äste entfernen macht einen Höllenlärm, den die Focal Aria EVO X No.1 locker wegspielen.

Unterstützend hinzu kommen die eher unbemerkten Nebengeräusche, wie das Quietschen von Stoßdämpfern und Federn, wenn der Truck in ein Schlagloch oder eine Querrille fährt, unbefestigte Straßen, auf denen Geröll unter dem massigen Reifen wegfliegt und das Spritzen von Wasser beim Durchfahren von Pfützen oder sogar Seen. Die EVO X No.1 bauen hier mit Leichtigkeit zu einem grafisch coolen Spiel die dazu passende Geräuschkulisse auf, die der Realität vermeintlich in Nichts nachsteht.
Von der Lautstärke der Baustelle geht es zu einem Titel, bei dem es um Stille und Geräusche und damit um eine Soundkulisse geht, welche die Angst am Bildschirm nur noch verstärkt – Little Nightmares II. Der Titel ist schon älter und hat dennoch nichts von seinem bedrückenden Gameplay eingebüßt. Für mich immer wieder erschreckend ist die Küche, in der eine vermeintlich nette alte Dame Vorbereitungen zum Kochen trifft und mit ihren Absatzschuhen über den Holzfußboden läuft. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass in den zahlreichen Gläsern menschliche Innereien lagern. Ist dies schon gruselig genug, so unterstreicht der Hintergrund-Sound diese Kulisse großartig und verstärkt das Gefühl der aufsteigenden Panik noch einmal um ein Vielfaches. Diese erreicht ihren Höhepunkt, wenn man entdeckt wird und versucht sich zu verstecken.

Dann nämlich entpuppt sich die alte Dame als kreischendes Monster mit Maske, die den Protagonisten Mono verfolgt, während die Musik schon jetzt deutlich macht, dass man eigentlich chancenlos ist. Die Absätze knallen nun auf den Fußboden, Holz knarrt und wenn man meint, sicher zu sein und ein Versteck in den Schatten gefunden zu haben, streckt sich der Hals des Monsters mit dem Geräusch eines sich in die Länge ziehenden Gummihandschuhs, um dann Mono knackend zu verschlingen. Die Focal Aria EVO X No.1 lösen hier den Klang so leicht auf und sowohl der kultivierte Bass, der begleitet und nicht dominiert, als auch die feinen Details in den Mitten und Höhen geben dem Sound in diesem Spiel den letzten Feinschliff – absolut großartig!
Das Unvermeidliche – die Technik hinter den Focal Aria EVO X No.1
Die in Frankreich entwickelte und gefertigte Inverskalotte besteht aus einer Legierung aus Magnesium und Aluminium. Im Gegensatz zum Vorgänger wurde hier laut Hersteller die Form geändert, so dass der jetzt steilere Rand für mehr Steifigkeit und damit einer erweiterten Bandbreite auf 30.000 Hertz sorgt.

Die hier schon mehrfach erwähnte und optisch so schöne, 16,5 Zentimeter große Flachsmembran wurde bereits 2013 entwickelt und nun noch einmal verbessert. Diese patentierte Membran liegt zwischen zwei dünnen Schichten aus Glasfaser. Diese leichte Bauweise sorgt für eine gute Dynamik, aber genug Steifigkeit für einen dynamischen Tiefton.
Die Aufhängung, welche die Membran mit dem Chassis verbindet, ist ebenfalls von Focal entwickelt. Die sogenannte TMD-Technologie (Tuned Mass Damper) stabilisiert mit entsprechend positionierten Ringgewichten die Aufhängung für die Treiber und soll so für eine noch neutralere Wiedergabe des Klangs sorgen.
Fazit:
Ich hatte die Focal Aria EVO X No.1 hier seit kurz vor Weihnachten im Einsatz und bedauere tatsächlich ein wenig, die jetzt wieder abgeben zu müssen. Es gibt nicht viele Speaker, die einem fast sofort ans Herz wachsen – der No.1 ist aber für mich so einer. Allein das Aussehen und damit die Form des Hochtöners, die Flachsmembran und die Front im Leder-Design haben mich bereits beim Auspacken und Aufbauen mitgenommen.
Dazu kommt der beeindruckende Klang, auch wenn die No.1 nur die kleinsten der verfügbaren Lautsprecher aus der neuen EVO X Serie sind. War man bei Focal mit Sicherheit anfangs skeptisch, mir diese Speaker für einen Test im Gaming zukommen zu lassen, so haben sich diese erwartungsgemäß nicht nur im HiFi bewährt, sondern selbstverständlich auch bei Spielen. Ein guter HiFi-Speaker ist nun einmal überall einsetzbar. Die feine Auflösung bei Mittel- und Hochton gepaart mit einem dezenten Bass trifft genau meinen Geschmack in Sachen Klang.
Auch der Preis von 1498€ für das Paar erscheint mir aufgrund des hier Gebotenen als legitim und angemessen. Wer also einen kleinen, aber feinen HiFi-Speaker sucht, der sich nicht nur für Musik hervorragend eignet, sondern sich auch beim Gaming einsetzen lässt, sollte den Focal Aria EVO X No.1 unbedingt einmal anhören.

Link zum Hersteller: Focal Aria EVO X No.1
