HEDDphone D1 im Test – Technik, die auch und gerade beim Gaming begeistert!

Von der beatcon zum ersten Test der HEDD Audio A-Core hat es etwas gedauert. Nicht so lang dauert es nun bis zum Folgetest! Nachdem mich die Lautsprecher aus der A-Core Serie von HEDD Audio total vom Hocker gehauen haben, darf ich jetzt voller Stolz die ersten dynamischen Kopfhörer mit Carbonmembrantreiber von HEDD namens HEDDphone D1 testen, von denen ich mit Sicherheit Großes erwarten darf.

Mit Geduld und Zeit statt Spucke habe ich das letzte Testgerät erhalten. Gar nicht so einfach den Kopfhörer zu bekommen, wenn die Nachfrage offenbar so riesig ist, dass nach wenigen Tagen die HEDDphone D1 komplett ausverkauft waren. Der offene Referenzkopfhörer für 699€ scheint schon kurz nach Veröffentlichung sehr beliebt zu sein … woran das wohl liegt?!

Schon beim Auspacken merkt man, dass man mit den HEDDphone D1 von HEDD wieder ein hochwertiges High-End-Gerät in den Händen hält. Angefangen bei der schlicht schwarz matten Verpackung aus hartem hochwertigem Karton über den Over-Ear-Kopfhörer selbst, der mir in seiner klassisch schwarzen Eleganz mit ca. 350g Gesamtgewicht relativ leicht vorkommt. In der Verpackung findet sich neben dem HEDDphone D1 ein stabiles schwarzes Transport-Case, ein hochwertiges Kopfhörerkabel mit 3,5mm-Klinkenstecker mit textilummantelten Kabel, sowie ein aufschraubbarer 6,35mm Klinkenadapter.

Das Erste, was mir direkt auffällt, ist das zeitlose Design. Mit einem schönen samtigen Stoff am gut gepolsterten Kopfbügel und einem weichen Stoff an den voluminösen Ohrpolstern hat HEDD Komfort großgeschrieben. Die Führung aus gebürstetem Aluminium ist mit den Ohrmuscheln verschraubt und passt sich dem schlichten Design nahtlos an. Das gesamte Headset versprüht schon beim ersten Anfassen seinen ganz eigenen Charme. Hier trifft optische Zurückhaltung ohne jegliche Schnörkel auf besonders wertige Verarbeitung, die man sieht und fühlt.

Man sagt ja gern, von Außen hui und von Innen pfui. Die HEDDphone D1 sind also äußerlich definitiv ein hui! Innerlich sieht es ganz genau so aus, denn HEDD stellt der Welt mit den HEDDphone D1 ein neues Treiberkonzept vor. Das Ganze nennt sich Thin-Ply Carbon Diaphragm, kurz TPCD und ist ein Verfahren, welches von Composite Sound in Schweden entwickelt wurde. Hier kontrolliert die federleichte Carbonmembran alle Resonanzen und ermöglicht es, schnelle und präzise Schallbewegungen auszuführen, um Frequenzen zwischen fünf Hertz und 40 Kilohertz perfekt auszuspielen. Wer einen genauen Blick auf die Membran wirft, wird durch die Kohlefasern den Unterschied zu herkömmlichen Fertigungsmethoden sofort erkennen.

Klingt spannend? Ist es auch! Genau deshalb habe ich mich direkt aufgemacht, um ein paar Lieder über den PC anzuspielen. Hierfür nutze ich meine eigens für solche Tests erstellte Playlist mit Titeln wie Fieber von Nina ChubaPower von JAXSON GAMBLE und Rinkai Diver von PARED, die mir erstmal ein Gefühl geben, als auch ein klangliches Bild für die HEDDphone D1 schaffen sollen.

Um Musik hören zu können, müssen die Kopfhörer noch auf den Kopf. Allein das erste Aufsetzen zaubert mir ein Schmunzeln ins Gesicht, denn der HEDDphone D1 schmiegt sich super an. Das Kopfband ist gut gepolstert, die Ohrmuscheln, die meine Ohren komplett umschließen, sitzen wie angegossen und der Anpressdruck ist angenehm. So vermute ich erstmal, dass stundenlange Hörsessions möglich sein werden.

Wie bei einem offenen Referenzköpfhörer zu erwarten, bietet mir der HEDDphone D1 eine analytische hohe Auflösung und eine tiefe Staffelung der Instrumente in Kombination mit einer präzisen Raumabbildung, ohne auffällige Betonung von Bässen oder Höhen. Das liegt selbstverständlich auch an der innovativen und neuen Treibertechnologie und daran, dass Referenzkopfhörer grundsätzlich neutral klingen sollen.

Auch wenn der Kopfhörer mit dessen Schallwandlern vornehmlich für das Studio gemacht wurde, bin ich dennoch überrascht, wie HEDD der Spagat zwischen Analytik und HiFi gelingt. Es ist ein echtes Erlebnis auf den HEDDphone D1 Musik aller Genre zu hören. Man muss sich nur bewusst sein und sich darauf einlassen, dass der Sound sehr klar und ohne HiFi-Ambitionen ins Ohr des Hörers dringt.

Ich persönlich liebe es, wie transparent und detailliert die Höhen, Mitten und Bässe ausgespielt werden und wie der Kopfhörer klanglich ausbalanciert ist! Schon die Lautsprecher der A-Core Serie von HEDD aus meinem letzten Test sind zu meinem persönlichen Favoriten geworden, für alles, was sich auch musikalisch am PC oder TV abspielt. Den HEDDphone D1 will ich inzwischen genauso wenig missen. Die Drums mit der Stimme und der E-Gitarre im Titel Rinkai Diver werden so schön sauber gespielt und verlieren trotz der Neutralität und Analytik nicht den Blick für das Musikalische. Meine Ohren ermüden von dem Klang nicht. Genauso so muss das!

Ein Muss ist auch das Erlebnis des Sounds über die HEDDphone D1 im Gameplay. Deshalb spiele ich zum Test dieses Headsets meine Spiele an, die immer gehen oder an denen ich derzeit sowieso noch sitze, wie Pokémon KarmesinValorant und Baldurs Gate 3. Bei allen Spielen kann man wahnsinnigerweise einige Stunden davor hocken, um nur ein Mü im Gameplay und der Story voranzukommen, wenn man denn die 100% Lösung anstrebt.

Beim Shooter Valorant stellt sich heraus, dass dieser Referenzkopfhörer perfekt für diese Art von Gameplay geeignet ist. Jedes kleine Geräusch ist zu vernehmen, so kann ich Gegner orten, verfolge akustisch aus der Ferne Feuergefechte und kann mich daran orientieren oder aber in meiner Nähe geht eine Handgranate runter und ich höre das schneller werdende Piepsen bis zur Detonation. Es bleiben also nur Sekundenbruchteile, um sich in Sicherheit zu bringen. Gerade in solch einem Multiplayer-Shooter ist nicht nur die Optik entscheidend, sondern auch die Akustik. So stelle ich mir das Spiel vor. Immersiv!

In Baldurs Gate 3 hören sich die Stimmen so normal und lebendig an, als würde die Person direkt vor mir stehen. Man kann sich den klanglichen Raum gut vorstellen, wer was sagt und wo was passiert. Diese räumliche Ortung lässt mich noch einmal tiefer in das Game eintauchen. In Baldurs Gate 3 habe ich mit meinem Mann gemeinsam eine Session gestartet und immer mal wieder weitergespielt. Einen ganzen Nachmittag lang und auch den Folgetag haben wir gemeinsam vor dem PC und dem Laptop gehockt. Irgendwann fanden wir Scratch – einen weißen Schweizer Schäferhund.

Er winselte, lief von links nach rechts und umgekehrt während er schnüffelnd den Boden begutachtete. Vor ihm ein offensichtlich toter Mensch, vermutlich sein Herrchen. Sein dumpfes Getapse durch den Sand wirkt verwirrt und verängstigt. Ich werde neugierig und will mit ihm in einen Dialog gehen, doch bevor man das tut, ist es sinnvoller einen entsprechenden Trank in meiner Tasche zu suchen. Das Öffnen der Tasche wird unterstrichen von einem Geräusch, das an einen Reißverschluss erinnert.

Zum Glück habe ich einen Trank dabei, der mich mit Tieren sprechen lässt und ich trinke die kleine Flasche aus. Man hört die kurzen Schlucke und gleich darauf folgt ein kurzer Schimmer über meiner Figur, begleitet von einem entspannten „Ahhh“. Klingt fast so, als hätte ich einen immensen Durst gehabt! Ich sitze derweil vor dem PC und fange an zu lachen, weil diese Kulisse so unfassbar ist. Einen solchen Klang habe ich bisher bei einem Spiel nicht erlebt. Ich gehe zu Scratch und er erzählt mir, dass sein Herrchen und er von dunklen haarigen braunen Kreaturen überfallen wurden.

Während dieses Dialoges pfiff der Wind immer wieder an uns vorbei und bewegte die raschelnden Blätter der Büsche im Hintergrund. Nach dem Dialog mit dem Hund folgten wir dem eigentlichen Pfad zum Dorf der Goblins. Das Plätschern eines Baches durch den wir wateten, ließ mich schmunzeln, weil es mich an die Ostsee und an das Rauschen in einer Muschel erinnert, wenn man sie sich ans Ohr hält. Also kurz die Augen zu und genießen, bevor wir unser Spiel fortsetzen.

Es ist faszinierend, welche Räumlichkeit und welchen Detailreichtum der HEDDphone D1 in Games und diesen Szenerien darzustellen in der Lage ist. Gerade diese klangliche Staffelung und die Analytik macht das Headset beim Gaming so wertvoll. Es sind die vielen kleinen Geräusche, die Klarheit in Dialogen, die großartige Kulisse in Gefechten und das daraus resultierende Gefühl, Teil des Games zu sein, die diesen Kopfhörer so großartig machen.

An dieser Stelle muss ich noch einmal anmerken, dass wir für das Gaming mit dem HEDDphone D1 keinen typischen Gamingkopfhörer im Test haben, sondern ein Produkt eines Herstellers, der hauptsächlich für den Studiobereich aufgestellt ist, dessen Produkte sich aber definitiv großartig fürs Gaming eignen!

Somit gibt es nur eine einzige Kleinigkeit für Gamer anzumerken: Ein integriertes Mikrofon bietet der HEDDphone D1 nicht. Erfahrungsgemäß sind die eingebauten Mikrofone in Gamingheadsets aber oft qualitativ ohnehin nicht besonders hochwertig, weshalb ich stattdessen ein entsprechend gutes externes Mikrofon empfehlen würde, damit man beim Streaming oder Online-Gameplay mit dem D1 auf nichts verzichten muss.

Während des Spielens bekommt man oft gar nicht genau mit, wie viel Zeit vergangen ist, aber durch den Test habe ich ab und an auf die Uhr geschaut. Die ersten zwei bis drei Stunden waren mit den HEDDphone D1 sehr gut machbar. Doch danach habe ich jedoch das Gewicht der Kopfhörer auf meinem Kopf zu sehr gespürt, so dass ich eine Pause brauchte. Der anfänglich gut gepolsterte Kopfbügel und die vermeintlich wenigen 350 Gramm an Gesamtgewicht sind zumindest für mich dann doch zu spüren.

Aber auch der Mann an meiner Seite, der bei einer Producing Session in einem Berliner Studio die HEDDphone D1 als Referenz zu seinem sonst so heißgeliebten Kopfhörer eines anderen Herstellers dabeihatte, bemängelte bei diesen Aufnahmen das Gewicht. Sein Fazit in einem Satz als Producer:
Als Referenzkopfhörer für das Mixing und Mastering perfekt, sehr ausgewogen, bei einem transparenten und breit gefächerten Klangbild. Es gibt nichts auszusetzen bis auf das Gewicht nach längerer Tragezeit.

Abgesehen vom Sound punktet HEDD noch zusätzlich mit seiner Garantie von ganzen fünf Jahren auf das Produkt und selbstverständlich sind auch die Kopfhörer, wie die Lautsprecher der A-Core Serie, wieder Made in Berlin! Nach meinem Verständnis sind auch die 699,00€ für diesen High-End-Kopfhörer ein guter und gerechtfertigter Preis.



Link zum Hersteller: HEDD HEDDphone D1