Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Smart-Gaming-Monitor wie der LG UltraGear 34GX90SA auf den Markt kommt. Das ist allerdings nicht nur reines Marketing, sondern bringt auch einige Vorteile mit sich.

Als Endbenutzer kann man sich zurzeit kaum vor den ganzen Smart- und KI-Features retten. Das geht teilweise so weit, dass das gesamte Haus vom Handy aus gesteuert werden kann, während der eigene Kühlschrank Werbung anzeigt. Nur Gaming-Monitore blieben bislang davon verschont – aus gutem Grund. Im Gegensatz zum Smart-TV, der zum Beispiel Streaming Apps allein bewältigen muss, braucht ein Gaming-Monitor eigentlich nur das Bild wiedergeben, welches ihm der PC ausgibt. Es besteht also auf den ersten Blick keine Notwendigkeit einen Gaming-Monitor mit einem Betriebssystem und einer KI auszustatten. Trotzdem muss man es nicht gleich als unnötiges Extra abtun oder sich gar davon abschrecken lassen. Ein Smart-TV wird genauso zum Zocken genutzt, wie zum Filme schauen, und eine Konsole ist im Endeffekt nichts anderes als ein kleiner Gaming-PC. Warum sollte man dann einen Monitor nicht genau so nutzen können?
Mit diesem Mindset habe ich den UltraGear 34GX90SA bei mir aufgebaut. Statt des schlichten Grautons der Vorgängermodelle setzt LG bei der aktuellen Generation auf elegantes Weiß – eine willkommene Abwechslung im überwiegend schwarz gehaltenen Gaming-Monitor-Markt. Abseits dieser Anpassung bleibt das Design des 34-Zöllers unverändert. Der kompakte Standfuß ist ebenso erhalten geblieben wie die charakteristische Hexagon-Beleuchtung auf der Rückseite. Technisch zeigt sich das Panel ebenfalls unverändert und übernimmt die Spezifikationen des Vorjahres: DCI-P3-Farbraumabdeckung von 98,5 Prozent, 240 Hertz Bildwiederholrate, 0,03 Millisekunden Reaktionszeit sowie eine Spitzenhelligkeit von bis zu 1.300 Nits. Die Auflösung beträgt weiterhin 3.440 × 1.440 Pixel im 21:9-Format, ergänzt durch eine starke 800R-Krümmung. Der Fokus liegt damit weniger auf der Hardware als vielmehr auf der funktionalen Erweiterung.
Um diese Funktionen nutzen zu können, musste ich mich zuerst WebOS und besagten KI-Features stellen. Da ich selbst einen LG TV im Wohnzimmer stehen habe, war die Einrichtung keine Hürde. Auch ohne diese Erfahrung würde ich die zu unternehmenden Schritte als einfach und logisch einschätzen. Die mitgelieferte Fernbedienung erweist sich hierbei als notwendig und nützlich. Neu war eine Bildscheinstellung, die zusätzlich zu den Standard-Voreinstellungen wie Lebhaft, Filmmaker oder dem Spiele Optimierer verfügbar ist. Dafür werden mir mehrfach ein paar Bilder angezeigt, aus denen ich die für mich am besten aussehenden wählen muss und der Monitor – beziehungsweise der „AI Personalized Picture Wizard“ – lernt meine Präferenzen, wie ich das Bild gerne sehen möchte. Ich war wenig überrascht, als ich später keinen Unterschied zwischen dem von der KI ausgebesserten Bild und dem Filmmaker Modus erkennen konnte. Schließlich ist dieser mein persönlicher Favorit.

Da sich Geschmäcker unterscheiden und jeder die Welt ein bisschen anders sieht, ist dieser zusätzliche Bildmodus eine angenehme Ergänzung. Warum diese KI-Bildoptimierung explizit als Gaming-Feature vermarktet wird, erschließt sich mir in der Praxis nur eingeschränkt. LG selbst wirbt damit, dass dieses „AI Picture“ ein „totales Eintauchen in das Spiel […] ermöglicht“ und das Spielerlebnis steigert, weil die KI das Bild schärft, wichtige Details hervorhebt und visuellen Lärm entfernt.
Im Gaming-Einsatz erweist sich die Ki-Optimierung aber als problematisch. Bevor das Bild wiedergegeben wird, muss es analysiert und optimiert werden, was zu einer deutlich spürbaren Verzögerung zwischen Eingabe und Darstellung führt. Das steht im direkten Gegensatz zu dem, womit LG wirbt, nämlich einer Reaktionszeit von 0,03 Millisekunden. Wir bleiben für das bestmögliche Gaming-Erlebnis bei diesem Monitor wie beim TV beim bewährten Spiele Optimierer. Auch die eingebauten Lautsprecher konnten sich vor der KI nicht retten und sollen in der Lage sein ein „perfekt abgestimmtes Audio über eine simulierte 9.1-Kanal-Einrichung“ wiederzugeben. Dieses Versprechen wurde zwar eingehalten und die Umsetzung dieses virtuellen Surround Sound funktioniert gut, nur können die Lautsprecher mit ihren 7 Watt klanglich kaum mit selbst einer einfachen kleinen Soundbar mithalten.

Während die KI-Optimierungen im Gaming nur eingeschränkt überzeugen, zeigt sich der Monitor bei den Anschlussfunktionen praxisnäher. Neben den klassischen Monitor Anschlüssen wie DisplayPort 1.4, HDMI 2.1 und USB-A 2.0 wurde er zusätzlich auch mit einem LAN Port ausgestattet. Insbesondere die Unterstützung von eARC an einem der zwei HDMI-Ports ist eine Sache, von der ich schon seit Jahren rede und die uns bei konsolenfan.de besonders am Herzen liegt. Das ermöglicht PC und Monitor mit einem klassischen Heimkino zu verbinden und so in Spiel und Film echten Surround Sound genießen zu können. Das funktioniert über den PC leider nicht so reibungslos, wie man es sich wünschen würde.
Die Ursache dafür liegt aber in Windows und es gibt für die technikaffinen unter uns mehrere Möglichkeiten, diese zu umgehen. Da noch immer viele Gamer beim Zocken auf Kopfhörer setzen, ist das auch nicht für jeden eine Notwendigkeit. Möchte man die Kopfhörer absetzen und einfach nur ein Video anschauen, zeigt dieser UltraGear, wo seine großen Vorteile wirklich liegen. Durch WebOS wird aus dem einfachen Gaming Monitor das Medienzentrum der Wohnung. Streaming Apps wie Netflix und YouTube laufen direkt auf dem Monitor und man muss dafür nicht direkt sein bis zu 1000 Watt schweres Biest von PC hochfahren. Man kommt sogar in den Genuss eines effektiv größeren Bildes, da viele moderne Spielfilme in Format 2,39:1 gedreht werden, was sehr nahe am 21:9 (2,33:1) des Monitors ist und die gesamte Breite des Bildschirms nutzen kann. Auch das Abspielen von Filmen in 5.1 stellt keine Herausforderung dar, hat man ein entsprechendes Lautsprechersystem angeschlossen. Das hat beim Sommer-Hit KPop Demon Hunters mit seinen eindrucksvollen Kampfszenen unterstützt von starkem Gesang und kräftigen Bässen besonders viel Spaß gemacht.

Damit ist aber noch lange nicht genug. Selbst Cloud Gaming ist mit der richtigen Subscription direkt auf dem Monitor möglich. Dieser 34 Zöller hat aber noch ein weiteres Ass im Ärmel. Der USB-C Anschluss mit 65 Watt Ladeleistung in Verbindung mit der LG Switch App für einfache Fenster-Organisation macht ihn zusätzlich noch Home-Office tauglich. Vor allem für Personen, die Privates und Arbeit gerne trennen und daher viel am Laptop arbeiten. Gerade die große und breite Bildfläche des Widescreen Monitors ist ein Segen, arbeitet man mit mehreren Dateien oder gar Excel Tabellen gleichzeitig und muss nebenbei noch ein online Meeting führen. Einzig ein KVM-Switch würde dem ganzen noch die Krone aufsetzen. Dieser ist allerdings nicht verbaut und man müsste sich ein separates Gerät dafür zulegen.
2025 war ein wirklich großartiges Jahr für Gamer, sieht man mal von den Entwicklungen in der Hardware-Branche ab. Titel wie Hollow Night: Silksong, Elden Ring Nightreign, Split Fiction und noch einige andere hätten in vielen Jahren Auszeichnungen bis zum Umfallen abgeräumt. Wie viele andere auch hat mich allerdings kein Spiel so sehr beeindruckt wie Clair Obscur: Expedition 33.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Welt, die von einem sich jährlich wiederholenden Schicksal überschattet wird. Seit 67 Jahren erleben die Bewohner der abgelegenen Insel Lumière die sogenannte Gommage: Eine riesige Frau am Horizont, bekannt als „Paintress“ (dt. Malerin), erwacht und malt einmal im Jahr eine Zahl auf den riesigen Obelisken hinter sich, die sich mit jedem Zyklus um eins verringert. Ein Urteil für alle Menschen, die dieses Alter erreicht oder überschritten haben. Sie lösen sich einfach vor den Augen ihrer Freunde und Familien in einer Wolke aus Rosenblättern auf. Mit jeder neuen Zahl wird die Welt ein Stück kleiner, Hoffnung seltener und der Druck auf die verbleibenden Generationen größer.
Seit Jahrzehnten schickt Lumière nach jeder Gommage eine Expedition aus Freiwilligen auf das gefährliche Festland, um die Malerin zu besiegen und den Kreislauf zu durchbrechen. Keine dieser Missionen ist je zurückgekehrt. Wir selbst übernehmen die Rolle der Expedition 33, deren Mitglieder sich des nahezu sicheren Todes bewusst sind, aber dennoch handeln, weil Untätigkeit keine Option ist. Doch der Aufbruch erfolgt nicht sofort: Im Prolog und Tutorial erleben wir die Gommage aus nächster Nähe. Damit eröffnet das Spiel mit einem emotionalen Tiefschlag, der von allen Beteiligten – mit Ausnahme des Spielers – seit Jahren erwartet und akzeptiert wird. So wird sofort deutlich, mit welcher emotionalen Schwere wir das gesamte Spiel über konfrontiert sein werden. Es ist kein Aufbruch voller Hoffnung, sondern ein notwendiges Opfer, um die Zukunft der Menschheit vielleicht noch retten zu können.

Getragen wird diese Stimmung von einem Soundtrack, der genau weiß, wann er präsent sein muss und wann Zurückhaltung gefragt ist. Sanfte Klaviermelodien, Streichinstrumente und dezente Chöre verleihen den Szenen zusätzliche emotionale Tiefe. Der Klang wirkt nie aufdringlich, sondern verschmilzt mit der Story zu einer Einheit, die das Gefühl von Vergänglichkeit und Hoffnungslosigkeit permanent mitschwingen lässt.
Auch visuell ist das Spiel ein echtes Kunstwerk. Weiche Farbverläufe, starke Kontraste zwischen Licht und Schatten und ein fast gemalter Stil prägen jede Szene. Genau diese Bildsprache stellt hohe Anforderungen an die Darstellung. Der UltraGear macht schnell deutlich, wie sehr ein Monitor das Spielerlebnis mittragen kann. Das tiefe Schwarz und die feinen farblichen Abstufungen kommen auf dem OLED eindrucksvoll zur Geltung, wodurch die Szenerien ihre volle atmosphärische Wirkung entfalten. Jedes Detail wird gestochen scharf wiedergegeben, von zarten Lichtreflexen bis zu den subtilen Texturen der Spielwelt. Das 21:9-Seitenverhältnis erweitert das Blickfeld, verstärkt die Immersion und lässt einen noch tiefer in diese Welt eintauchen. Dadurch wird aus diesem emotionalen Kunstwerk ein höchst immersives Erlebnis, welches einen mitreißt, als wäre man selbst lebendiger Teil dieser Expedition.

Clair Obscur ist aber kein reines Story Game, sondern hat Gefahren an jeder Ecke, denen man sich im rundenbasierten Kampfsystem stellen muss. In Kombination mit Quick-Time-Events, ergibt sich ein System, das sowohl taktisches Denken als auch Reaktionsgeschwindigkeit erfordert. Man kann eigene Angriffe verstärken und gegnerischen Attacken ausweichen oder sie parieren. Dafür muss man sehr eng gefasste Zeitfenster treffen. Da man auf audiovisuelle Hinweise genauso angewiesen ist wie auf das Kennen der der verschiedenen Angriffe, sind vor allem konstante Paraden bei schwereren Gegnern eine große aber lohnende Herausforderung. Auch hier kann der UltraGear mit seiner Geschwindigkeit glänzen, wenn man scheitert, dann an seinem eigenen Unvermögen und nicht an Latenzen in der Darstellung.
Fazit:
Der LG UltraGear 34GX90SA hat mich im Gaming komplett überzeugt. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen man wirklich vergisst, dass man nur vor einem Bildschirm sitzt und Clair Obscur zockt. Stattdessen fühlte es sich an, als würde man durch ein Gemälde wandeln, das düster, poetisch und von einer permanenten Melancholie durchzogen ist, aber zugleich kleine schimmernde Momente der Hoffnung zulässt. Der UltraGear ist für so ein Kunstwerk die perfekte Leinwand.
Auch über diese Grenzen hinaus zeichnet sich der 34 Zöller durch seine Funktionalität aus. Abseits vom Zocken, wenn jede Millisekunde zählt, ist selbst die KI-Optimierung von Bild und Ton eine nette, aber nicht wirklich notwendige Ergänzung. Aber offenbar geht momentan nichts mehr ohne KI. Dennoch ist der LG UltraGear 34GX90SA absoluter Allrounder für Gaming, Streaming und Produktivität.

Link zum Hersteller: LG UltraGear 34GX90SA
