Wer OXS hört, hat vermutlich erstmal keinen blassen Schimmer davon, was sich dahinter verbirgt. Surprise: OXS ist ein Unternehmen, das sich seit der Gründung 2021 auf Klang- und Surround-Lösungen für Gamer und allgemeines Home-Entertainment spezialisiert. Ein kleiner Einblick auf die Webseite enthüllt, dass OXS insbesondere Soundbars und Kopfhörer vermarktet.
Einen der zwei herausgebrachten Kopfhörer habe ich nun zum Test bekommen. Den OXS Storm A2, den man für aktuell 129,99€ u.a. über Amazon in minimalistischem Schwarz/Anthrazit und modernem Cremeweiß bekommen kann. Ich bin schon lange auf der Suche nach einem guten Gaming-Headset, der nicht nur Klang kann, sondern auch angenehm auf dem Kopf sitzt, damit man eben stundenlang und am liebsten ohne Pause durchzocken kann. Ich bin sehr gespannt, ob ich das Paket in dem Storm A2 finde?

Die handliche, 3D bedruckte Umverpackung aus stabilem leichtem Karton macht erstmal einen guten Eindruck. Schon auf dieser stehen einige wichtige Stichworte, wie das hochangepriesene ANC, der Dual Wireless Mode Switch und 2,4GHz Ultra-Low Latency. Verwendet wird ein Raumklang-Algorithmus, der sogenannte Xspace Immersive Sound Technology mit einem 40mm Dynamiktreiber.
Ebenfalls oben rechts auf der Verpackung stehen die Endgeräte, mit denen ich den Kopfhörer nutzen kann, wie den PC, PS4 und PS5, Smartphone und die Nintendo Switch. Da ich alles davon hier zu stehen habe und mit 70 Stunden Akkulaufzeit viel Zeit habe, wird das Headset ausgepackt und zum Vorschein kommt der Storm A2, der endlich performen darf.
In den Händen wirkt der Storm A2 wie jedes andere Headset von Amazon aus meiner Zeit vor meiner journalistischen Tätigkeit. Für den Tragekomfort nutzt OXS Memoryfoam unter einer Lage aus kostenoptimiertem Kunstleder sowohl am Kopfbügel aus Aluminium als auch an den Ohrmuscheln aus Kunststoff. Der substanziell limitierte Memoryfoam macht auch grundsätzlich seinen Job und kommt nach dem Eindrücken sehr schnell wieder in die Ursprungsform zurück.

Die Mechanik, um den Kopfhörer in der Größe an den eigenen Kopf einzustellen, ist ebenfalls mit Kunststoff verkleidet und benutzerfreundlich zu bedienen. An den Ohrmuscheln sind insgesamt vier Druckknöpfe verbaut, die die Lautstärke, das Ein- und Ausschalten, das ANC sowie die verschiedenen Modi zwischen Bluetooth 5.4 und Dongle-Modus – der o.g. Dual Switch Mode – regeln. Weiterhin sind noch zwei Kabeleingänge zu sehen, welche für das ansteckbare Mikrofon und für USB-C Kabel vorgesehen sind.
Solche Beschreibungen nützen aber nichts, wenn man Testgeräte nicht auf Herz und Nieren prüft. Ich bin gespannt, ob die minimalistische und einfache Optik des Headsets durch einen kraftvollen Treiber und klaren Klang auf Dauer bestechen kann! Denn Schönheit ist ja bekanntermaßen nicht alles.
Bevor es ans leider nicht alltägliche Gaming geht, entführe ich meine Testgeräte vorweg in meine freie Zeit zwischendurch. Um ANC zu testen und ein besseres Grundverständnis für den Storm A2 zu bekommen, nutze ich das Headset erstmal in Situationen, wie dem Gassigehen mit meinem Hund oder die Bahnfahrten zur und von der Arbeit zum Musik hören. Deshalb öffne ich die Playlist, die bei mir immer hoch- und runterläuft, wenn ich neue Testgeräte bekomme. So kann ich feststellen, wie die Kopfhörer klanglich einzuschätzen sind.

Die üblichen Verdächtigen auf meiner Playlist, wie Tauchen von Trettmann, Kitschkrieg von Nina Chuba, Höhenangst von Schmyt und Mein Kopf ist eine Party von Paula Engels klingen sowohl nach einem mittelklassigen soliden Kopfhörer, als auch nach wenig ausgearbeiteter Finesse. Ich höre in keinem der Titel viele Details. Weder in den Höhen oder Mitten lassen sich gut einzelne Instrumente oder Klänge im Raum wahrnehmen, noch sind die Bässe kraftvoll oder gar sauber, wie ich es bspw. von meinem ähnlich preisintensiven Razor Kraken Kitty V2 Gengar Edition gewohnt bin. Sogar jüngst hinzugefügte Titel dieser Playlist wie BIG 45 von Protoje und Shasai von issey geben mir ein ähnlich flaches Raumgefühl beim Storm A2. Interessant bei einem Treiber, der 40mm misst und sich Dynamiktreiber nennt. Beim Probieren habe ich es nicht ausgelassen, die zwei Modi bezüglich des Sounds auszutesten. Wir sprechen hier sowohl von einem Standard Modus, als auch von einem 7.1 virtuellem Surround-Sound Modus im Surround-EQ, der per Doppelklick auf den ANC Knopf an- und ausgeschaltet werden kann. Der Unterschied liegt im Ausspielen der Musik bzw. Sounds.
Während der Standard Modus recht leise, flach und direkt ins Ohr des Hörers dringt und dadurch im Vergleich zum virtuellen 7.1 Surround-Sound Modus präzise wirkt, klingt der virtuelle 7.1 Surround-Sound schlicht breiter aufgestellt. In diesem Modus klingt alles einfach nur lauter und etwas dynamischer, aber weniger klar. Meines Erachtens ist der 7.1. virtuelle Surround-Sound Modus eher ein Effekt als alles andere.
Der erste Eindruck in Sachen Sound hat mich jetzt also nicht sonderlich mitgenommen. Vielleicht ist der angesprochene ANC ein nützliches Feature der Storm A2. Per kurzem Knopfdruck klicke ich mich durch den Transparency, Passthrough und ANC Modus und bin kurzum ziemlich enttäuscht. Zwischen dem Transparency und dem ANC Modus ist nicht viel Unterschied zu erkennen, ANC ist eher ein Effekt, als eine vollwertig ernstzunehmende Optimierung, vom Passthrough Modus ganz zu schweigen. Dieser entpuppt sich als eine verwaschene Variante der anderen Modi. Die Titel klingen nicht wirklich gut und alles, was um mich passiert, hört sich wie in einem dumpfen Telefongespräch eines Festnetzgerätes aus den 2000er an.

Auf der Herstellerwebseite wird besonders die „Gaming Power“ mit Alltagstauglichkeit des Headsets gelobt. Im Alltagsgeschehen schneidet der Kopfhörer für mich aber eher durchschnittlich ab. Doch was ist, wenn im Storm A2 tatsächlich richtige Gaming Power steckt?
Wir haben den Kopfhörer beim Magicka 2 spielen getestet. Hierbei schlüpft man in die Rollen kleiner Zauberer, die elementare Kräfte beschwören können. So können wir Gegner zum Beispiel einfrieren oder mit Wasser überschütten und danach mit einem Blitz elektrisieren. Je mehr Gegner erscheinen, desto witziger wird es tatsächlich, weil man irgendwann gar nicht mehr weiß, was genau man eigentlich drücken soll und alles ist ein heilloses, super witziges Durcheinander. In Kombination mit der lustig-lächerlichen Musik wirkt das Schauspiel auf seine ganz eigene Weise.
Wir kämpfen uns durch zu einem aufgelaufenen zerbrochenen Schiff auf einer Sandbank. Die Musik bleibt witzig gestaltet. Selbst wenn es ernster wird, wird die Atmosphäre über den Storm A2 gut transportiert – trotz des bisherigen Bildes, was mir das Headset über die Musik bis dahin vermittelt hat. Für mich eine kleine Überraschung. Genauso wie die hunderten kleinen Krabben oder hummerartige Wesen, die direkt aus dem Schiff und dem Wasser direkt auf uns zu kommen. Wir versuchen etwas Abstand zu gewinnen, um unsere vernichtende Combo in die Mitte der vielen Krabben zu platzieren. Währenddessen hört man uns ganz leise über den Sand knisternd stapfen und die Zauber beschwören.

Die knisterten Geräusche der Blitze durch unsere Zauber und das plätschernde Nass des Wassers sind gut zu vernehmen. Zeitgleich versuchen wir uns direkt zu heilen und setzen neben einer Riesenkrabbe und ihren kleinen Helferkrabben eine Bombe, um viel Schaden auf einmal zu generieren. Ein paar heikle Situationen und Versuche später hatten wir den Bogen raus und die Riesenkrabbe war besiegt.
Weil aber Magicka 2 trotz guten Sounds für einen allumfänglichen Test noch nicht reicht, geht es noch an den Shooter. Im Vergleich zu anderen Gaming-Headsets, die ich bereits testen durfte, fällt mir auch hier auf, dass sich der Storm A2 durch den teils unsauberen und flachen Klang nur bedingt für einen Shooter eignet, sowohl im virtuellen 7.1 Surround-Sound, als auch im Standard Modus. Auch hatte der OXS Storm A2 immer mal wieder Aussetzer per Dongle und im Bluetooth Modus. Ob das jetzt am Testgerät liegt oder ein generelles Problem ist, kann ich ohne direkten Vergleich jedoch nicht beurteilen.
Für Cozy oder Party Games, wie ich Magicka 2 dazuzählen würde, ist der Storm 2 absolut in Ordnung und macht einen noch guten Job. Man hört nicht alles in der Tiefe und der Präzision, wie bei anderen Headsets, aber man bekommt alles mit. Für Gamer, die kompetitiv actionreich zocken wollen und darauf angewiesen sind, dass sie jedes noch so kleine Geräusch wahrnehmen und orten können, ist der Storm A2 weniger zu empfehlen.
Insbesondere das abnehmbare Mikrofon ist für den Wechsel zwischen Musik und Gaming ein Segen, da diese Funktion an sich praktisch ist. Wenn man damit aber im Game kommunizieren will, klingt das Mikro während des Spiels eher dumpf, teilweise undeutlich und komprimiert. Es ist damit zu schwach für die Nutzung beim Streaming oder Content Creating, aber zur Kommunikation zwischen den Spielern für eine kurze Zeit absolut ausreichend, wenn man den Fokus nicht auf inhaltlich exzessive Gespräche legt.

In den langen Gamingsessions, in denen ich den Kopfhörer teilweise mehrere Stunden am Stück getragen habe, kann ich den Tragekomfort abschließend als durchschnittlich beschreiben. Der Anpressdruck ist innerhalb von einer bis anderthalb Stunden völlig im Rahmen. Danach wird der Kopfhörer etwas schwer und der Anpressdruck unangenehm, sodass bei mir als Brillenträger hinter dem Ohr die Bügelabdrücke meiner Brille deutlich zu spüren waren.
Weiterhin habe ich neben den Sessions auch das Telefonieren mit den Storm A2 ausprobiert und darf gestehen, dass dies ganz gut funktioniert. Man hört mich klar und deutlich, ebenso wie ich meine Gesprächspartner klar und deutlich verstehe. Dahingehend ist der Kopfhörer sehr praktisch!
Fazit:
Der OXS Storm A2 ist ein vermeintlicher Alleskönner. Der Kopfhörer versucht alles unter einen Hut zu bringen, schafft es dabei aber nur bedingt, allem gerecht zu werden. Dennoch hat der Kopfhörer einige Vorzüge, wie den Tragekomfort in der ersten Stunde des Tragens und die kabellose Nutzung.
Praktisch sind die lange Akkulaufzeit mit 70 Stunden, wenn man auf den ANC Modus und die volle Lautstärke verzichtet, sowie das abnehmbare Mikrofon von durchschnittlicher Qualität. Außerdem ist der Storm A2 fürs Telefonieren gut geeignet und kann sogar während dem Ladevorgang genutzt werden. Die Bedienung des minimalistischen Headsets ist benutzerfreundlich.
Der Klang der Storm A2 ist durchschnittlich und nichts für audiophile Hörer. Weiterhin handelt es sich um einen Kopfhörer, der für Cozy oder Party Games genutzt werden kann und nicht zu empfehlen ist für kompetitive FPS-Spieler, die einen gewissen Anspruch haben, abzuliefern. ANC ist wie der 7.1 Surround Sound eher ein Effekt, denn eine ernstzunehmende Funktion. Für einen Preis von 129,99€ auf der Herstellerwebseite empfinde ich den Kopfhörer, für das was er bietet, schlicht zu teuer. Hier gibt es preisgünstigere Alternativen, die besser klingen.

Link zum Hersteller: OXS Storm A2
