Wharfedale Diamond 12.3i im Test – Gaming ist auch immer Ästhetik

Gaming ist inzwischen mehr als nur ein Hobby, bei dem der Spieler in andere Welten abtaucht und einfach nur ungestört die Story, das Racing oder Jump`n`Run genießen möchte. Man achtet auf die perfekte Ausstattung, die mit dem Gaming zum Leben erwacht. Aber wenn der Monitor dunkel bleibt, steht alle Hardware ungenutzt herum. Und nicht selten macht sie dabei keine wirklich gute Figur. Der TV ist das Black Hole an der Wand und Lautsprecher sind – nun ja, Lautsprecher. Sie stehen im Raum. Aber immer wieder gibt es Speaker, die nicht nur Länge x Breite x Höhe sind und bei Nutzung Klang ausgeben, sondern bei denen sich der Designer auch Gedanken über deren Aussehen gemacht hat. Die Wharfedale Diamond 12.3i sind für mich solche Lautsprecher.

Die neue Serie Diamond 12i von Wharfedale umfasst hier ganze sieben verschiedene Speaker, die im Set ein komplettes Heimkino ergeben. Angefangen beim 12.0i als kleinsten Regallautsprecher bis hin zum 12 3Di Surround Speaker, der die Höhenkanäle bespielt und sowohl als Wand- als auch als Deckenlautsprecher fungieren kann, lässt sich angefangen vom Stereo-Set hier Stück für Stück das eigene Heimkino oder die perfekte Gaming-Umgebung mit zahlreichen Kanälen einrichten.

Über Jahre hinweg hat sich die Diamond 12 Serie als finanziell überschaubares Einstiegssystem etabliert, nun wurden einzelne Komponenten optimiert, ohne dass an der Preisschraube gedreht wurde. Die hier zum Test zur Verfügung gestellten 12.3i stehen momentan mit 799€ Paarpreis im Netz. Dafür erhält man nicht nur einen für diese Klasse sauber abgestimmten Klang, sondern auch optisch so schöne Standlautsprecher abseits des Mainstreams.

Da Schönheit relativ ist, bietet Wharfedale die Serie 12i in drei verschiedenen Farbvarianten an, von denen keine jedoch ungewöhnlich ist. Schwarz, Weiß und Walnuss sind nicht die Farben, auf die die Welt gewartet hat, aber gerade der Farbton in Walnuss mit schwarzer Front bietet optisch so viel Eigenständigkeit, weswegen ich auch dieses Paar zum Test erhalten wollte. Es wird also Zeit, die Kartons zu öffnen und die 12.3i aufzubauen.

Aufbau und Einrichtung

Der Aufbau eines passiven Systems gestaltet sich erfahrungsgemäß simpel. Vor der Aufstellung und der neuen Einmessung des gesamten Sound-Systems müssen aber die Spikes der 12.3i angebracht werden. Diese werden am Boden verschraubt, die Arbeit ist innerhalb weniger Minuten erledigt. Bei einem Gewicht von fast 20 Kilogramm pro Lautsprecher sollte man Aufbau und Aufstellung jedoch zu zweit erledigen. Gerade die korrekte Positionierung der Spikes auf den Unterlegscheiben erfordert mehrere Hände, will man sich nicht den Laminatboden zerkratzen.

Stehen die Wharfedale 12.3i erst einmal an ihrem Platz, staunt man über deren, für einen Standlautsprecher doch eher zierlich anmutende Bauweise an der Front. Mit nur 18 Zentimetern Breite kommen die Speaker sehr schlank daher, ich mag dieses Understatement bei Technik. Man muss nicht mit Größe protzen und optisch einen kompletten Raum einnehmen, wenn der das nicht hergibt. Mein Heimkino und Gaming-Zimmer ist so ein Raum. Phonoregal mit 65“ Philips Ambilight TV, rechts und links daneben die Speaker und in knapp 2,70 Meter Abstand dazu das Sofa mit meinem persönlichen Sweepspot. Nun werden meine Yamaha Soavo durch die die Wharfedale 12.3i ersetzt.

Allerdings ist das komplette Sound-Setup auf eben diese Soavos abgestimmt. Die Test-Speaker stehen an ihrem Platz und sind ausgerichtet, nun erfolgt die automatische Einmessung des AV-Receivers. So großartig diese Technik jedoch ist, mir persönlich passt diese Automatik in den seltensten Fällen. Ich justiere den Klang in punkto Abstand zum Sweepspot und Lautstärke immer noch manuell, um den für mich passenden Klang einzurichten. Zugegeben, das nimmt einmalig etwas Zeit in Anspruch, aber verbessert das Erlebnis beim Sound nachher ungemein. Klang ist immer subjektiv und jeder nimmt diesen anders wahr. Irgendwann stimmt der für mich persönlich beste Sound, jetzt kann es endlich mit den ersten Games losgehen. Um mich hier voll auf die Wharfedale 12.3i konzentrieren zu können, laufen diese erst einmal nur in Stereo bei abgeschalteten Surround-Speakern, Center-Speaker und dem Subwoofer. Die 12.3i sollen zeigen, was sie als Solisten können.

Die ewige Diskussion im Gaming ist Bass. Für die einen muss der Tiefton die Nachbarn erschüttern und Gläser in allen Regalen zum Klirren bringen, für die anderen muss der zwar dynamisch und druckvoll sein, darf aber die Soundkulisse des Games nicht dominieren. Ich gehöre zur Kategorie 2. Von daher war ich bis zum ersten Ton gespannt, wie sich die beiden 130 Millimeter Tieftöner mit Polypropylen-Membran geben werden? Wharfedale gibt an, bei der Überarbeitung der Serie 12 auf eine Optimierung der Bassreflexabstimmung besonderen Wert gelegt zu haben. Eine neue Geometrie und eine veränderte, interne Dämpfung sollen so für einen strukturierteren Tiefton sorgen.

Gaming – ein Erlebnis mit den Wharfedale 12.3i

Auch wenn das Game schon mehr als zwei Xbox-Jahre auf dem Buckel hat, so spielt Brotato nicht nur hier im Team noch immer ganz vorne mit. Auch auf Messen, bei denen wir HiFi und Gaming präsentieren, ist dieser Titel immer wieder ein Publikumsmagnet. So viele Leute sitzen und bewaffnen eine Kartoffel bis an die Zähne, um gegen außerirdische Invasoren Runde um Runde zu überstehen. Ein simples Game mit simplem Sound – sollte man meinen. Aber gerade dieser Soundtrack treibt das Adrenalin auf ungeahnte Höhen. Unbewusst wahrgenommen, weil das Chaos auf dem Bildschirm fast unüberschaubar ist, intensiviert der Bass jede Runde. Schaltet man bei Brotato den Sound ab, bricht sofort die gesamte Intensität des Titels in sich zusammen. Die Wharfedale 12.3i sorgen für die perfekte Stimmung – entsprechende Lautstärke vorausgesetzt, denn Brotato wirkt ganz einfach erst ab einem gewissen Pegel.

Der Titel, der die Massen bereits seit dem letzten Jahr bewegt und nicht umsonst mit Auszeichnungen überhäuft wurde, ist Clair Obscur: Expedition 33. Einerseits haben die Handlung und das Gameplay so unfassbar viele Spieler in ein ungewöhnliches Game gezogen, andererseits gehört der Soundtrack von Clair Obscur zum Besten, was die Gaming-Welt jemals zu hören bekommen hat. Da war es nur logisch, dass dieser Soundtrack auch in zwei verschiedenen Versionen auf Vinyl gepresst wurde. Allerdings war alles schon ausverkauft, bevor die Händler überhaupt eine Ahnung hatten, wie viele LPs sie zum Verkauf erhalten. Ich hatte meine Special Edition bei drei Händlern vorbestellt und habe keine bekommen. Aber der Soundtrack wird neu aufgelegt und ist dann ab Juli 2026 hoffentlich wieder erhältlich.

Aber es ist bei diesem Game nicht nur der eigentlich Soundtrack, der so viele Szenen musikalisch untermalt, es ist das Game selbst mit seinen so vielen Soundeffekten, welches für eine inzwischen so seltene Stimmung sorgt und damit etwas schafft, woran seit Jahren so viele große Publisher scheitern – nämlich den Spieler sofort mit einer ungewöhnlichen Geschichte abzuholen und an den Controller zu fesseln. Angefangen bei zahlreichen Dialogen zu Beginn des Spiels, wird die Atmosphäre so wunderbar mit etlichen Nebengeräuschen auf dem Marktplatz oder dem Rauschen des Meeres in Szene gesetzt. Der erste Auftritt von Renoir, dem alten Mann mit dem Stock, verursacht auch aufgrund der Soundkulisse Gänsehaut. Weil so viele Spieler danach gefragt hatten, wurde der Soundeffekt beim Aufsetzen des Stocks vom Entwickler Sandfall Interactive inzwischen als Download zur Verfügung gestellt und dieser ist nun der Klingelton meines Smartphones.

Der Höhepunkt sind jedoch für mich die zahlreichen rundenbasierten Kämpfe mit Quick Time Events, in denen die Klangkulisse zur Höchstform aufläuft. Das Sirren von Schwertern, verschiedene Zauber mit ihrem ganz eigenen Klang und die Geräusche, die getroffene Gegner von sich geben, sorgen für ein Gaming Erlebnis, welches ich recht lange vermisst hatte. Diese großartige Stimmung einzufangen ist mit einem Gaming-Headset einfach nicht möglich. Ein solches Spiel benötigt Speaker wie die Wharfedale 12.3i, um den gesamten Raum mit dieser unglaublichen Soundkulisse zu füllen.

Neben der punktierten Basswiedergabe sind es der Klarity-Tief-/Mitteltöner mit einer neu entwickelten Polypropylen-Mica-Verbundstruktur und der Hochtontreiber mit 25 Millimeter Gewebekalotte – beide verbunden mit einer Linkwitz-Riley-Frequenzweiche – die bei Dialogen und den zahlreichen Klängen in den mittleren und hohen Frequenzen einen großartigen Job verrichten. Gerade Hochtöner neigen bei höheren Pegeln zu unangenehmen Spitzen oder Schärfen – etwas, dass ich an den Wharfedales nicht erlebt habe.

Mehr als nur für das Gaming gemacht

Aber man kauft neue Standlautsprecher nicht ausschließlich für das Gaming. Ein solches Set will auch mit Musik und dem aktuellsten Film per Streaming bespielt werden. Hier liefern die Wharfedale 12.3i ebenfalls einen für diese Preisklasse wirklich tollen Klang ab. Auch wenn zahlreiche Songs neuerdings in Dolby Atmos mit Raumklang abgemischt werden, so passt das eben nicht für jede Band und Stilrichtung. Das bereits 2024 neu aufgelegte Pink Floyd Album The Dark Side Of The Moon ist in Dolby Atmos ein Erlebnis, aber mit so vielen anderen Alben mit Raumklang kann ich mich nicht anfreunden. Metal und Hard Rock sind für mich immer eine Bühne in Front und damit klassisches Stereo.

Und das liefern die beiden Standlautsprecher. Die beiden Tieftöner der 12.3i hinterlassen hier einen tollen Eindruck mit einem dynamischen und strukturierten Bass, aber auch hier scheiden sich mit Sicherheit wieder die Geister, denn Bass ist bei Musik immer abhängig von Raum und Position. Ich habe keinen Sub hinzugeschaltet, ganz einfach, weil mein Raum auch ohne zusätzlichen Tiefton auskommt und dennoch der Klang passt.

Auch beim Mittel- und Hochton geben Lautsprecher alles. Treibt man zum Test der Wharfedale Metal auf die Spitze, lässt man Heaven Shall Burn auf die beiden Speaker los. Hier sind es beim Song CONFOUNDER die zahlreichen Riffs der Gitarre, welche die Hochtöner gerade bei mehr als nur Zimmerlautstärke an ihre Grenzen treiben können.

Etwas anders gestaltet sich der Klang beim Film. Ich liebe meinen Raumklang, auch wenn durch die Dachschräge keine Deckenlautsprecher möglich sind. Hier behelfe ich mir mit Präsenz-Lautsprechern über dem TV. So wurden die Wharfedale 12.3i für zahlreiche Serien und Filme in das bestehende Heimkino integriert und durften dann im Team mit meinen Soavo-Rear- und Center Speakern und den Nubert-Präsenz-Lautsprechern aufspielen. In dieser Kombination hinterlassen die ebenfalls den schon bei Gaming und Musik erfahrenen sehr guten Eindruck, auch wenn ihnen nun nicht mehr die Hauptlast des gesamten Klanges zukommt.

Bei einem 5.1.2 System wird der Sound eben auf zahlreiche weitere Lautsprecher verteilt, auch wenn das in diesem Fall vielleicht eine zu bunte und chaotische Mischung verschiedener Speaker ist. Aber genau zu diesem Zweck bietet Wharfedale eben auch das komplette Portfolio der 12i Serie an. Man baut sich Stück für Stück sein Heimkino für das Gaming, Filme und Musik auf, ohne dass hier tiefe Krater in die Brieftasche gerissen werden.



Link zum Hersteller: Wharfedale 12.3i