Yamaha True X Surround 90A im Test – die Kombination aus klassischer Soundbar und neuester Beam-Technologie für perfekten Raumklang

Ich habe mir die Yamaha Soundbar True X Surround 90A das erste Mal bei einer Vorführung auf den Mitteldeutschen HiFi-Tagen in Leipzig anhören können. Dort wurde eine Szene aus dem Film The Wave vorgeführt. In diesem Ausschnitt hängen Geologen in einer Felsspalte an Sicherungsseilen fest, während sich die Wände verschieben und der Spalt immer schmaler wird. Dieser Ausschnitt war nicht nur optisch im wahrsten Sinne des Wortes erdrückend, sondern gerade die unfassbare Akustik sorgte bei allen Besuchern für Beklemmungen. Solch einen Sound kannte ich bisher nur von guten Heimkino-Anlagen mit zahlreichen Lautsprechern, hier war es nur diese eine Soundbar mit Subwoofer und Rear-Speakern, die im abgedunkelten Raum für heftige Emotionen sorgte. Nun habe ich das vollständige Set im Test und schaue, ob ich diese Sound-Effekte auch so nach Hause holen kann?

Denn ein Vorführraum auf einer Messe unterscheidet sich doch teils grundlegend von den heimischen vier Wänden. Auf einer Messe baut der Hersteller die Hardware möglichst perfekt auf. Ein quadratischer oder rechteckiger Raum mit überschaubarer Deckenhöhe, mittig ausgerichtetem Hörplatz und ohne jegliche störende Elemente wie die übliche Wohnzimmer-Dekoration sorgen für beste akustische Voraussetzungen, um die Zuschauer bzw. Zuhörer zu fesseln. Zu Hause ergibt sich bei vielen aber ein vollkommen anderes Bild. Aufgrund von Platzmangel wird aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste gemacht. Da steht dann das Phonoregal nicht möglichst mittig zur Wand, sondern muss in die Ecke eines Raumes weichen. Dort stört dann aber schon die nächste seitliche Wand, während die andere Seite des Raumes offenbleibt. Dazu kommen Fenster, Möbel und Pflanzen, die eben ein normales Wohnzimmer zum persönlichen Rückzugsort machen, aber dem Schall abträglich sind.

Mein Heimkino ist so ein Raum, eingerichtet nur für Gaming und Filme. Das Wohnzimmer ist ausschließlich dem HiFi und damit der Musik vorbehalten. Hier steht kein TV. Aber auch mein Heimkino bietet alles andere als optimale Voraussetzungen. Meine Wohnung besteht in so gut wie jedem Zimmer aus Dachschrägen. Ist das für die übliche Nutzung von Wohnraum manchmal schon kompliziert genug, gibt es für ein Heimkino noch andere Hürden zu überwinden. So ist es mir durch die Schrägen unmöglich, Deckenlautsprecher zu installieren. Ich muss mich also für mein 5.1.2 System mit Präsenzlautsprechern über dem TV zufriedengeben. Zugegeben, das ist mehr, als andere sich einrichten können, aber nach jeder Messe, auf der Dolby Atmos perfekt in einem quadratischen Raum vorgeführt wird, bedauere ich meine Architektur ein wenig. Und in diesem Raum werde ich jetzt die Yamaha Soundbar True X Surround 90A aufbauen und einrichten.

Meinen ersten Test zu einer Yamaha Soundbar schrieb ich im November 2012. Hier handelte es sich um die kleine YAS-201, ein Stereo-System mit Subwoofer. Schon damals war ich überrascht, wie ein solcher Riegel ein aufwendiges Lautsprechersystem zwar nicht ersetzen, aber eben eine preisgünstige Alternative sein kann. Aber das neue Yamaha Flaggschiff True X Surround 90A ist mehr als nur eine normale Soundbar, um den TV Sound aufzuwerten. Mit der YSP-1 startete Yamaha eine neue Generation von Soundbars. Denn statt des üblichen Stereo Systems im flachen Format, wurden die Barren der YSP-Serie als Soundprojektoren bezeichnet. Wie ich vor langer Zeit in meinem ersten Test zur YSP-3300 lernen durfte, verwendete man bei Yamaha sogenannte Beam-Lautsprecher. Diese senden Soundstrahlen aus, die den Klang an Wänden, der Decke und auch Möbeln reflektieren, um den bestmöglichen Sound an seinem Hotspot zu erhalten. Mit einem Soundprojektor spielte es also keine Rolle, ob die Wohnzimmereinrichtung den Klang stören konnte. Leider stellte Yamaha diese Technik und damit die YSP-Serie irgendwann wieder ein und konzentrierte sich auf klassische Soundbars mit Algorithmen zur Soundberechnung. Mit der neuen True X Surround 90A kehrt man aber zumindest bei den Höhenkanälen wieder zur Technik der Beam-Lautsprecher zurück. Bei Yamaha selbst besteht man aber darauf, dass die neue True X kein Nachfolger des alten Systems, sondern eine Innovation mit neuer Technik ist. Es wird also Zeit, endlich alles in die Finger zu nehmen.

Mehr als eine normale Soundbar

Waren meine letzten Soundbars, die ich zum Test hatte, allesamt zierliche Riegel, ist die True X Surround 90A im Gegensatz zu diesen ein massives Stück Technik. Die satten 11 Kilogramm Gewicht verteilen sich auf 118 Zentimeter Breite auf dem Phonoregal vor dem TV und passen damit gerade noch vor einen üblichen 55“ TV, ohne an den Rändern überzustehen. Mit ihrer Höhe von 8,5 Zentimetern passt die True X ebenfalls vor fast jeden TV, ohne dabei das sichtbare Bild zu verdecken. In dieser Front sind vier Mittelton-Speaker für Stereo- und Center-Ausgabe, sowie drei Hochtöner untergebracht. Durch die ovale Bauform der Mitteltöner war es Yamaha möglich, die Höhe der Soundbar auf ein erstaunlich flaches Maß zu begrenzen, ohne an Klangqualität einzubüßen. Überraschend ist auf den ersten Blick jedoch die Tiefe von 14,3 Zentimetern. Das muss aber so sein, denn hier sind auf jeder Seite jeweils sechs Beam-Lautsprecher für die Höhen-Kanäle untergebracht. Diese Beam-Lautsprecher setzen auf Reflektionen des Schalls von der Decke, um so für den Höhen-Effekt beim Klang zu sorgen. Zwar ist eine Wandmontage mit den beigelegten Winkeln möglich, aber ich schätze, dass das bei diesen fast 15 Zentimeter Tiefe unter einem ebenfalls an der Wand angebrachten, flachen TV dann doch nicht so sexy aussieht.

Optisch unterscheidet sich die True X 90A nur wenig von den üblichen Verdächtigen. Ging man bei Yamaha schon bei den AV-Receivern der Aventage-Reihe einen neuen Weg mit einem seitlich versetzten Display, so folgt jetzt auch die Soundbar diesem Konzept der Asymmetrie. Auch hier ist das Display aus der Mitte verschwunden und wurde leicht nach links versetzt. Ich muss zugeben, dass mich dieses Design bei der Aufstellung der Soundbar ein wenig irritiert hat, da ich mich gewohnheitsmäßig am Display als Mitte des Systems orientiere. So ungewöhnlich diese Display-Ausrichtung auch ist, steht der Barren vor dem TV, wirkt alles stimmig. Das Display selbst ist dimmbar, aufgrund großer Schrift gut lesbar und es zeigt alle Funktionen an. Mehr braucht es also nicht. Die Bauform der True X Surround 90A mit Stoff an der Front und abgerundeten Kanten ist klassisch. Auffällig hingegen sind die großen runden Füße aus Kunststoff, die das ganze System gut einen Zentimeter vom Phonregal abheben.

Mehr Technik als üblich

Bis hierhin ist die True X Surround 90A bis auf die Beam-Lautsprecher scheinbar eine vollkommen normale Soundbar. Aber es ist die Technik, die den Unterschied macht, nicht umsonst ist Yamaha der Pionier in Sachen Raumklang und der AVR-Technologie. Die Erfahrung bei den High-End-AV-Receivern der Aventage Reihe hält somit auch Einzug in diese Soundbar. Den ersten Kontakt mit Yamahas Surround:AI hatte ich im Mai 2019 beim Test des AV-Receivers RX-A2080. Zu diesem Zeitpunkt setzte man das erste Mal künstliche Intelligenz ein, um den Klang der auf dem TV dargestellten Szene möglichst perfekt anzupassen, ohne das entsprechende DSP-Programm manuell einschalten zu müssen. Gerade diese verschiedenen DSP-Einstellungen für Action, Sport, Musik und so vielen anderen zeichnen Yamaha seit je her bei der Klangwiedergabe im Heimkino aus.

So gut jedoch jede einzelne DSP-Einstellung auf das dargestellte Bild abgestimmt war, so kompliziert war das für zu viele Nutzer in der Anwendung. Bundesliga? Also Umstellung auf das DSP-Programm Sport, um über die hinteren Speaker Stadion-Atmosphäre zu genießen. Netflix? Umstellung auf Cinema, um jede einzelne Action-Szene mit Wucht im Raumklang zu erleben. Das alles wurde mit Surround:AI und Machine Learning hinfällig, da hier die KI automatisch anhand einer seitdem stetig wachsenden Datenbank erkennt, ob auf dem Bildschirm Fußball, eine Doku oder aber Action abgespielt wird. Dabei errechnet die KI für jede Szene den besten Ton. Bei einem Dialog erkennt Surround:AI diesen und passt den Klang entsprechend an. Stand diese Technik 2019 noch am Anfang, so scheint sie nun ausgereift und findet jetzt auch in der neuen Soundbar Anwendung. Daher gibt es auf der True X 90A keine unterschiedlichen DSP-Programme mehr, sondern der Sound beim TV-Schauen wird einzig über die Taste Surround:AI auf der Fernbedienung gesteuert. Damit ist die Anwendung für den Nutzer simpel und vor allem fehlerfrei, ohne an Qualität beim Raumklang einzubüßen.

Weiterhin spannend ist die Technik der jeweils sechs Beam-Lautsprecher für die Höhen-Kanäle. Jeder Raum ist anders, also gibt es keine one-size-fits-all Lösung. In meinem Fall liegt mein Hotspot zum Hören gut 2,50 Meter vom Bildschirm entfernt, der Raum selbst hat eine Deckenhöhe von 2,52 Metern. Demnach muss ich die Beam-Lautsprecher entsprechend manuell ausrichten, weil Yamaha hier im Gegensatz zu den AV-Receivern nicht auf die automatische YPAO-Einmessung per Mikrofon setzt. Dies funktioniert in den Optionen über eine Winkeleinstellung in 1 Grad-Schritten und die Anpassung der Brennweite in Metern.

Da man nun aber eher kein Lot von der Decke fällen kann, um den optimalen Winkel zu bestimmen, bleibt hier nichts anderes übrig als try-and-error, bis man den perfekten Ton zu erkennen glaubt. Das ist aber eine einmalige Einstellung bei der Einrichtung. Bei mir kommt jedoch erschwerend hinzu, dass die linken Beam-Speaker auf die gerade Zimmerdecke und die rechten Speaker auf eine Dachschräge treffen. Ich musste also hier unterschiedliche Einstellungen für die jeweiligen Speaker herausexperimentieren, bis ich das optimale Klangbild auf meinem Sofa hatte. Für den besten Sound werden die sechs Beam-Speaker im Millisekundenbereich zeitverzögert angesteuert, um Überlagerungen des Schalls zu verhindern. Musste man vor nicht allzu langer Zeit noch die Wahl zwischen Dolby Atmos oder DTS:X bei seinem AV-Receiver treffen, ist das bei der True X Surround 90A hinfällig, denn das Ausgabeformat wird automatisch erkannt. Dabei ist die True X 90A die erste Soundbar weltweit, die den Upmix-Algorithmus Auro-Matic von AURO-3D für beste Musikwiedergabe wie im Live-Konzert beherrscht und dabei auch Stereo-Formate in dreidimensionalen Klang mixt.

Subwoofer und Rear-Speaker für den besten Raumklang

So großartig die Technik der Soundbar ist, kein Heimkino kommt ohne einen potenten und optimal abgestimmten Subwoofer aus, um den Raumklang perfekt zu machen. Leider herrscht bei Vielen in Sachen Tiefton noch immer der Irrglaube vor, Hauptsache es brummt und dröhnt ordentlich. Das ist aber kein wirklicher Tiefton, denn wenn Gläser im Regal klirren oder Gegenstände sich in Bewegung setzen, ist der Subwoofer einfach nur schlecht. Beim Bass geht es darum, eine Szene mit dem entsprechenden Tiefton zu untermalen, aber diesen Ausschnitt nicht zu dominieren. Da mag es bei Action und Explosionen Ausnahmen geben, aber dennoch muss der Tiefton dynamisch und eben punktgenau sein. Das Motoren- und Auspuff-Geräusch eines auf dem Bildschirm dargestellten V8 oder V12 Big Block Motors muss zur Szene passen, denn auch im realen Leben auf der Straße bringt die Soundkulisse eines echten Muscle-Cars keine Straßenlaternen zum Wackeln. Beim kabellosen Subwoofer nutzt Yamaha die Symmetrical Flare Port-Technologie, um einen gleichmäßigen Luftstrom an der Bassreflex-Öffnung zu gewährleisten. Gerade billige Subwoofer geben einfach nur die Luft ab, was zu störenden Nebengeräuschen bei der Basswiedergabe führt. Durch die neugestaltete Öffnung hat man bei Yamaha dieses Portgeräusch um 20 Dezibel reduzieren können.

Mein persönliches Highlight bei der True X Surround 90A sind jedoch die Rear-Speaker , denn diese sind so viel mehr als nur klassische Surround-Lautsprecher. Meinen ersten Kontakt zu solchen Yamaha-Speakern hatte ich auf der High End 2024, als wir zur Soundbar True X-Bar 50A zusätzlich die kleinen True X-1A Lautsprecher aufstellen und so an der Nintendo Switch bei Mario Kart Raumklang im Rahmen der Möglichkeiten auf einer Messe am offenen Stand darstellen konnten. Zur neuen Soundbar 90A gehören nun die ebenfalls kabellosen Rear-Speaker True X 3A. Damit diese immer voll im Saft stehen, verfügen beide über eine separate Ladestation, die per USB-C für ausreichend Energie sorgt. Sind die Speaker mit der Soundbar gekoppelt, zeigt das Display SR und SL an. Aber da auch hier keine automatische Einmessung erfolgt, justiert man den rückwärtigen Klang einfach über die Lautstärkeregler auf der Fernbedienung. So kann man sich seinen Hotspot nach den eigenen persönlichen Vorlieben einrichten. Weiterhin haben diese kleinen Speaker damit den Vorteil, da stehen zu können, wo immer man den entsprechenden Platz findet, ohne gesonderte Standfüße verwenden zu müssen. Hinter dem Sofa steht ein Bücherregal? Kein Problem, einfach in das entsprechende Fach sortiert, die Lautstärke angepasst und schon hat man einwandfreien Raumklang. Dabei spielt es durch die individuelle Anpassung des Pegels auch keine Rolle, ob die Speaker auf gleicher Höhe oder versetzt zueinander stehen. Ob das optisch schick ist, sei dahingestellt, technisch funktioniert es. Obendrein kann man die True X 3A auch als Solo-Speaker verwenden, dazu aber später mehr.

Aufbau und Einrichtung

Eine Soundbar aufzubauen, ist keine große Sache. Strom, HDMI und Netzwerk, egal ob WLAN oder kabelgebunden und innerhalb weniger Minuten erklingt der Barren. Warum man allerdings bei Yamaha am HDMI-Kabel spart und der Käufer einer 2.457€ teuren Soundbar dieses optional erwerben muss, ist mir ein Rätsel. Da spart man einfach am falschen Ende. Wenn ich so viel Geld ausgebe, will ich alles sofort aufbauen können und nicht später noch einmal zum Händler meines Vertrauens fahren müssen, um ein profanes HDMI-Kabel zu erwerben. Egal ob man das Kabel bereits hat oder dazukaufen muss, der Anschluss an den TV erfolgt an dessen eARC-HDMI-Anschluss, um später die Höhenkanäle auch optimal genießen zu können. Im Notfall lässt sich die 90A auch über den optischen Eingang anschließen. Weiterhin steht ein HDMI-Eingang für externe Zuspieler zur Verfügung, aber wer wie ich zahlreiche Spielkonsolen nutzt, schließt diese über die HDMI-Eingänge des TV an. Nun steht die Soundbar, fehlen noch der Subwoofer und die Rear-Speaker.

Im Gegensatz zu einer klassischen Soundbar ist die True X Surround 90A mit Technik vollgestopft und so wird alles weitere über das Onscreen-Menü des Barrens geregelt, wie das auch bei den AV-Receivern der Fall ist. Dazu schaltet man auf den entsprechenden HDMI-Eingang seines TV und drückt die Optionstaste an der Fernbedienung der Soundbar. Das nun folgende Menü ist so simpel wie eingängig. Zuerst wird der Sub an der Soundbar registriert, dies erfolgt im Menü unter dem Punkt Lautsprecher und hier der Registrierung. Es wird der Connect Button am Sub gedrückt und im Menü die Registrierung gestartet, innerhalb von Sekunden ist der Tieftöner in das System eingebunden. Fast ebenso simpel sind die beiden Speaker eingebunden, allerdings muss man hier darauf achten, dass die Kanäle korrekt angegeben werden. Auf der Rückseite eines jeden Speakers befindet sich eine Leuchtdiode, die den rechten oder linken Kanal anzeigt. Dementsprechend sind die True X 3A später auch aufzustellen. Auch hier sind beide Speaker innerhalb von Sekunden ins System integriert und eigentlich könnte es jetzt losgehen. Aber vor dem Vergnügen steht die oben bereits erwähnte Arbeit. Denn ohne entsprechende Ausrichtung der Höhenkanäle macht das System nur halb so viel Spaß. Nun kann man diese Ausrichtung über das Menü vornehmen und anhand von Testtönen den Soundstrahl justieren, einfacher geht das über die MusicCast App und einem guten Film mit Dolby Atmos.

Eine gute App zu programmieren, ist eine hohe Kunst. Einerseits muss der Programmierer möglichst alle Funktionen unterbringen, andererseits muss die Menüführung so simpel sein, dass auch unbedarfte Nutzer sich sofort zurechtfinden. Um es kurz zu machen: Es hat einen Moment gedauert und ich habe viele Buttons gedrückt, bis ich die Menüführung zur Einrichtung der Soundbar fand. Ein Icon, welches in anderen Sound-Apps einen Equalizer anzeigt, ist eigentlich logisch, aber offenbar stand ich auf dem Schlauch. Aber ab da war es einfach. Wichtig ist hier zuerst für jeden Nutzer die korrekte Einrichtung der Beam-Speaker für die Höhenkanäle. Diese findet man in der App unter Lautsprecher-Setup. Hier lassen sich für jeden einzelnen Speaker Anpassungen vornehmen und vor allem Winkel, Brennweite und auch Lautstärke der Beam-Speaker justieren. Wie oben bereits erwähnt, ist dies mit viel Versuch und Irrtum verbunden, bis man die für sich passende Einstellung gefunden hat. Aber da man diese nicht mehr so häufig verändern wird, lohnt sich der einmalige Aufwand allemal. Durch meine Dachschräge musste ich für den rechten und linken Höhenkanal sogar verschiedene Einstellungen vornehmen, bis mir der Klang optimal erschien. Hier vermisse ich dann doch ein wenig die automatische Einmessung des Raums, wie ich das von den Yamaha AV-Receivern gewohnt bin. Aber vermutlich hätte diese zusätzliche Funktion dann doch den Kostenrahmen gesprengt.

Endlich Klang bei Film und Gaming

Da ich einige Serien schauen wollte, die leider nur auf Paramount+ zur Verfügung stehen, musste ich wohl oder übel dieses Abo zu meinen bereits bestehenden hinzubuchen. Aber was habe ich Star Trek vermisst, so viele Serien sind an mir vorbeigegangen, die ich jetzt alle nachhole. Auch wenn die Kritik an Starfleet Academy leider nicht so positiv ausfällt, ist das für mich dennoch ein absolutes Highlight. Nun mag die Story um den Burn, der alle Raumschiffe mit Warp-Antrieb vernichtete, ein wenig weit hergeholt sein, dennoch mag ich den Aufbau, die Handlung und die Charaktere. Und so startete ich nach dem Anschluss der Yamaha True X Surround 90A erneut bei Folge 1, um die erste Raumschlacht auf dem Weg zur Academy in San Francisco noch einmal in Dolby Atmos zu schauen und vor allem zu hören. Und genau diese Szenen waren deshalb jene, die ich zur kompletten Justierung des gesamten Systems immer wieder abspielte, bis jeder einzelne Speaker den Sound so ausgab, wie er mir gefällt. Na ja, wie üblich wurde aus Folge 1 für diesen Test die gesamte, bis hierhin verfügbare Staffel bis Folge 5 – der Soundbarren nimmt mich einfach mit.

Während der Staffel experimentierte ich obendrein ein wenig mit der Bassverstärkung, die dazugeschaltet werden kann und laut Yamaha mehr Fülle und Tiefe in den Bass bringt, ohne die Mitten und Höhen zu beeinträchtigen. Allerdings fand ich meine vorgenommenen Einstellungen so gut, so dass ich hier auf weiteren Tiefton verzichten konnte. Ein weiteres Feature ist Clear Voice zur Anhebung von Dialogen. Diese Funktion wird aber vermutlich wieder nur für deutsche Produktionen benötigt, bei denen der Ton erfahrungsgemäß nur eine untergeordnete Rolle spielt und entsprechend matt wirkt. Bestes oder eben schlechtestes Beispiel ist die Serie Unfamiliar, die zurzeit auf Netflix läuft – eine wirklich spannende Agentenstory, die mitten in Berlin spielt, aber leider wie so viele andere an dünnen Dialogen krankt. Erst mit Clear Voice werden hier auch geflüsterte Passagen verständlich. Man erspart sich das zurückspulen, weil man wieder einmal einen Dialog nicht wirklich verstanden hat.

Auch beim Gaming ist die True X Surround 90A eine echte Bereicherung. Auch wenn Yamaha das mit keinem Wort auf der Website zur Soundbar erwähnt, habe ich den Barren selbstverständlich auch an allen aktuellen Konsolen genutzt. An der Xbox habe ich mich das erste Mal an Battlefield 6 versucht, da bei einem Shooter dieser Art die Action und krachende Soundeffekte das Maß der Dinge sind. Natürlich habe ich wie üblich in solchen Games hoffnungslos versagt, aber das ist bei einem Soundtest nur zweitrangig. Hier geht es um Explosionen und alles, was mit diesen einhergeht. Tatsächlich war es so, dass ich für mich den Tiefton ein wenig herunterregeln musste, da der Subwoofer alles mit brachialer Kraft in mein Heimkino abgab.

Da ich bei Ego-Shootern inzwischen offenbar raus bin, lud ich das aktuelle Update für Gran Turismo auf der PS5 und drehte zahlreiche Runden auf dem neu hinzugefügten Kurs Circuit Gilles-Villeneuve in Kanada. Dieser gehört für mich zu meinen persönlichen Highlights, da sich kaum ein Kurs so flüssig und dennoch anspruchsvoll fährt, wie dieser. Und auch die Wall of Champions, die Betonmauer am Ende der letzten Schikane zur Einfahrt der Boxengasse, ist nicht nur in der Realität eine echte Herausforderung – Bremspunkt und richtige Geschwindigkeit sind hier entscheidend. Die True X 90A ist auch beim Racing voll in ihrem Element. Je nach gewählter Klasse für das Rennen, werden hier die entsprechenden Motorengeräusche, das Quietschen der Reifen und das millimetergenaue Schneiden der Kurven beim Überfahren der Curbs perfekt ausgespielt. Aber auch bei Mario Kart World auf der Switch 2 durfte die True X 90A zeigen, was sie kann. Allerdings ist sie mit diesem Fun-Racer in Sachen Sound komplett unterfordert, weil bei allen Effekten so viel Luft nach oben ist. Dennoch macht auch dieses Game an der Soundbar reichlich Laune.

Das i-Tüpfelchen – Musik, MusicCast und Lautsprecher

Jetzt wird es schwierig für mich, denn Musik und Soundbars passen für mich persönlich nicht wirklich zusammen. Ich liebe trotz so vieler Alben, die inzwischen in Dolby Atmos abgemischt werden, noch immer mein Vinyl, meine CDs und Streams über Tidal in Stereo auf entsprechenden Lautsprechern. Dabei spielt es keine Rolle, ob das ein cooles kleines Paar Regal-Speaker oder aber große Standlautsprecher sind. Ein Soundbarren ist für mich etwas, was den TV-Ton in ungeahnte Dimensionen bringen soll und das macht die True X Surround 90A mit Bravour. Mit Musik über eine Soundbar hingegen werde ich nicht richtig warm. Und dennoch spielt die 90A auch hier großartig auf.

Da hier schon immer handgespielte Musik zum Test von Speakern aller Art herangezogen wird, muss sich auch die Soundbar mit diesen Songs auseinandersetzen. Vor einiger Zeit trat als Vorband in einem Live-Konzert die Band Ankor aus Spanien auf. Gut, die Sängerin stammt aus Bristol und die Drummerin aus Athen, aber dennoch halten die sich in Barcelona auf. Das faszinierende an dieser Band ist jedoch die Stimme von Jessie Williams. Ich habe beim Metal noch nie eine Frau gehört, die einerseits glockenhell in einem Mädchen-Chor auftreten könnte, aber gleichzeitig stimmlich so tief herunterkommt, dass sie Marcus Bischoff von Heaven Shall Burn in nichts nachsteht. Es war das erste Mal in einem Metal Konzert, dass nach den ersten Sekunden Gesang absolute Stille im Saal herrschte, bevor das staunende Publikum vollständig eskalierte. Und auch eine Zugabe von einer Vorband hatte ich bis dato noch nie erlebt. Nach Ankor war der eigentliche Haupt-Act nur noch nebensächlich. Da deren neues Album Shoganai vollständig an mir vorbeigegangen ist, musste das nun die True X Bar über sich ergehen lassen.

Um die Sache ganz kurz zu machen: Die Soundbar spielt hier groß auf, egal ob Stimmen, brachiale Riffs an den Gitarren oder unfassbares Tempo an den Drums, alles klingt, wie es soll. Aber entscheidend ist die Position, man muss für den besten Klang von Musik aus einer Soundbar auf dem Sofa sitzen, headbangend durch die Wohnung springen ist also kaum möglich. Das liegt dann doch an der flachen Bauweise einer Soundbar und dem damit verbundenen, begrenzten Abstrahlverhalten von Schall. Hier liegen klassische Speaker einfach vorn. Wer aber für ein klassisches System keinen Platz hat und keine Kabel für Sub, Rear- und vielleicht sogar Decken-Speaker verlegen will, wird mit der True X Surround 90A auch bei Musik glücklich – auch bis in höchste Pegel. Was mir hingegen nicht wirklich zugesagt hat, ist die 3D-Funktion für Musik. Die Upmixing-Funktion durch Auro-Matic erschien mir zu blechern und auch Instrumente ließen sich nicht mehr wirklich orten. Mir persönlich war das zu viel und zu wenig differenziert, aber das ist mein persönlicher Eindruck. Jedoch kann die 90A in Sachen Musik noch viel mehr.

Da dachte ich, Yamaha hat MusicCast heimlich, still und leise begraben, weil diese Funktion über so lange Zeit keine besondere Erwähnung mehr fand. Jetzt holt man das wieder aus der Schublade. Ich durfte im Oktober 2015 als einer der ersten HiFi-Journalisten in Deutschland MusicCast mit der Kombination aus RX-S601 und ISX-80 testen. Inzwischen sind so viele weitere MusicCast-taugliche Produkte bei Yamaha erschienen, die sich alle über diese Funktion miteinander kombinieren lassen, um so Musik in jedem Raum gleichzeitig zu empfangen.

Hier steht seit seinem Erscheinen noch immer der kleine, MusicCast-fähige Yamaha Speaker WX-010, der im Bad über Bluetooth seit Jahren klaglos seinen Dienst verrichtet. Ich brauche meine Musik eben wirklich in jedem Raum. Über die MusicCast App ist die True X Surround 90A bereits eingerichtet, nun kommt seit langer Zeit der kleine Speaker mal wieder in das Netzwerk hinzu. Dazu wird einfach in den Einstellungen ein neues Gerät hinzugefügt, die Frage nach der Typenbezeichnung beantwortet und am Speaker die Connect-Taste gedrückt. Sekunden später taucht der WX-010 als weiteres Gerät in der App auf und kann nun mit der Soundbar verknüpft werden. Ab diesem Moment spielen beide Geräte den identischen Klang, sei es Musik oder der Fernsehton. MusicCast ist so simpel wie perfekt, zumal so gut wie jedes Yamaha-Gerät der letzten Jahre diese Funktion beherrscht.

Aber damit ist bei der True X Surround 90A noch lange nicht Schluss, denn die beiden Rear-Speaker True X 3A können noch mehr, als nur irgendwo herumstehen, dabei gut aussehen und den Ton der Surround-Kanäle bei Filmen oder Musik ausgeben. Denn beide sind kabellos überall dort aufzustellen, wo sie gerade benötigt werden. Die Soundbar verfügt dafür über die scheinbar simple Taste All auf der Fernbedienung. Wird diese gedrückt, spielen sowohl Soundbar, als auch beide Speaker den identischen Ton. Nichts nervt mich mehr, als bei einem spannenden Spiel den Raum verlassen zu müssen und somit nicht mehr mitzubekommen, was sich auf dem Rasen abspielt. Mit der Funktion All schnappe ich mir einen der beiden Speaker und nehme den dahin mit, wo ich ihn gerade benötige. Die Anwendungsbeispiele für ein solches Szenario sind vielfältig und reichen von Bad bis Küche und Garten. Selbstverständlich funktioniert das auch mit Musik.

Aber die kleinen Speaker können noch mehr, denn die sind obendrein auch mit Bluetooth ausgestattet und fungieren so auch als Alleinunterunterhalter. Mit einem Tastendruck wechselt man hier zwischen Surround und Solo, hält die entsprechende Taste gedrückt und schon wird eine Bluetooth-Verbindung aufgebaut. Und für einen solch kleinen Speaker ist der Klang tatsächlich erstaunlich gut. Was aber nicht funktioniert ist, beide X 3A zu einem Stereo-Set zusammenzufügen. Soll der kleine Lautsprecher wieder zurück ins System, drückt man erneut die Kreis-Taste und schon wechselt der von Solo auf Surround. Man erhält also neben einer großartigen Soundbar mit Subwoofer auch noch zwei komplett autonome Speaker, die sich überall unabhängig einsetzen lassen.



Link zum Hersteller: Yamaha True X Surround 90A