Audeze Maxwell 2 im Test – ein Gaming-Headset nicht für jeden

Der Unterschied zwischen einem preiswerten und einem guten Kopfhörer sind sowohl Preis, als auch Klang. Heute bekommt man einen sogenannten Gaming-Kopfhörer für ganz kleines Geld bei jedem Online-Versandhändler. Dementsprechend elend ist meistens auch der Klang. Der Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Kopfhörer ist immer noch der Preis, aber hier geht es beim Klang um Nuancen und das persönliche Empfinden, wie dieser Klang wahrgenommen wird. Für mich gehört der Audeze Maxwell seit 2023 zu den besten Gaming-Headsets, die ich bisher testen durfte. Nun legt man beim amerikanischen Hersteller nach und präsentiert den Audeze Maxwell 2. Da hier auch Version 1 noch liegt, habe ich also optimale Voraussetzungen, beide miteinander zu vergleichen.

Wie üblich muss man bei einem Gaming-Headset zwischen den Versionen für Xbox und Playstation unterscheiden. Hier liegt das Modell für die Xbox, welches man aber auch an PC/Mac und der Nintendo Switch 1/2 verwenden kann. Ich lege gesteigerten Wert auf eine vernünftige Verpackung, in der das Headset nicht lose beim Transport herumklappert. Der Maxwell 2 ist super in seinem enganliegenden Schaumstoff eingebettet, Transportschäden sind also komplett auszuschließen. Hat man den Maxwell 2 erst einmal in den Händen, fällt sofort das immense Gewicht auf. Stundenlange Sessions erscheinen also schon beim ersten Eindruck eher schwierig. Aber Audeze kommt eben aus dem HiFi und wer deren Headsets für hervorragenden Musikgenuss kennt weiß auch, dass hochwertige Technik immer mit Gewicht verbunden ist. Der Maxwell 2 ist hier keine Ausnahme.

Kleine, aber feine Unterschiede im Design

Beim optischen Vergleich zwischen den beiden Versionen fällt auf Anhieb erst einmal kein großer Unterschied auf. Diese liegen aber im Detail und sind tatsächlich für ein Headset zahlreich. Der Blick auf die linke Ohrmuschel zeigt, dass man bei Audeze am Design gearbeitet hat. Waren in Version 1 die Buttons für die Mute-Schaltung des Mikros und der Power-Button noch auf der Schale integriert, sind diese nun an den Rand der rechten Ohrmuschel gewandert. Statt also alle Funktionen nur mit der linken Hand nutzen zu können, muss ich jetzt während des Games zumindest bei der Stummschaltung des Mikros nach rechts greifen.

Das ist nur eine unwesentliche Kleinigkeit, die aber der neuen Symmetrie des Headsets zugutekommt, weil nun beide Ohrmuscheln frei von jeglichen Schaltern sind. Dazu kommt jetzt auf beiden Muscheln eine Lochung, so dass sich hier zumindest optisch ein halboffenes System ergibt. Da man an einem Testgerät nicht unnötig herumpopelt, offenbarte erst der Blick auf die Website, dass die beiden Seitenplatten magnetisch sind. Audeze nennt das System ReSkin und man bietet demnächst neue Schalen an, um das Headset mit ausgewählten Designs von limitierten Kooperationen zu personalisieren. Man darf also gespannt sein, welche Designs da erscheinen werden.

Geändert hat sich ebenfalls die Form und die Dicke der Ohrpolster. Beim alten Modell betrug die Dicke in Höhe des Gelenks noch ganze 3 Zentimeter, beim neuen Modell ist diese nun auf 2,3 Zentimeter geschrumpft. Auch hat sich die Materialstärke innen geändert. Statt 2,5 Zentimeter von Naht zu Naht bleiben jetzt noch 1,7 Zentimeter übrig. Ob das im Betrieb beim Gaming einen Unterschied macht, wird der Test zeigen. Dafür sind die Ohrpolster jetzt magnetisch und lassen sich so einfach austauschen. Das war beim Vormodell nicht der Fall. Auch am Design der Drehregler für die Lautstärke und die Balance zwischen Chat- und Gamesound hat man bei Audeze gearbeitet. Diese sind nun leicht in die Muschel eingelassen, sind aber jetzt schwergängiger.

Beim Kopfband hat sich ebenfalls einiges getan. Zwar ist die Größenverstellung noch immer manuell über eine Lochung im Lederband und zwei Knöpfen zu bewerkstelligen, dafür hat dieses Kopfband nun massiv in der Breite ausgelegt, was dem Tragekomfort zugutekommt. Dieses ist von den ursprünglichen 4,5 Zentimetern nun auf ganze 7 Zentimeter angewachsen. Somit liegt mehr Fläche auf dem Kopf, das Gewicht verteilt sich besser. Ebenfalls neu ist die Lochung des Bandes, welches offensichtlich für mehr Atmungsaktivität sorgen soll. Ob sich das beim Tragen bemerkbar macht, sei dahingestellt, der Optik schadet das auf keinen Fall. Trotz aller kleinen Unterschiede ist das noch immer ein Audeze Maxwell, der sich schon aufgrund seiner HiFi-Herkunft von klassischen Gaming-Headsets unterscheidet und so im High End Bereich anzusiedeln ist.

Technik die begeistert?

Das technische Herzstück der neuen Audeze Maxwell 2 ist die zum Patent angemeldete SLAM-Technologie. Laut Hersteller sorgen die Kombination von 90-Millimeter Planar Treibern, Fluxor-Magneten und Fazor-Waveguides für eine „beeindruckende räumliche Immersion, präzise Ortung und eine kraftvolle Basswiedergabe“ im erweiterten Frequenzbereich von 10 Hz bis 50 kHz. So sollen selbst feinste Details hörbar werden.

Da es heute ohne KI offenbar nirgendwo mehr geht, setzt man diese beim neuen Mikrofon ein. Die FILTER-AI-Geräuschunterdrückung filtert störende Hintergrundgeräusche heraus, so dass Stimmen klar und ohne Störungen oder Verzerrungen übertragen werden sollen. Das hat beim Maxwell 1 schon einwandfrei funktioniert, im späteren Game-Check gehe ich davon aus, dass es auch mit dem Maxwell 2 keine Probleme geben wird.

Sound zugespielt wird entweder per USB-Dongle, über den mitgelieferten 3,5 Millimeter Klinkenstecker oder Bluetooth in der Version 5.3 mit Auracast, LC3, LC3plus, AAC, SBC, Multipoint LE Audio und LDAC. Audeze selbst spricht beim Dongle von „extrem niedriger Latenz“, ein Wert wird jedoch nicht angegeben. Kaum etwas hat sich in den letzten Jahren so exponentiell entwickelt, wie die Leistungen von Akkus. Auch der Audeze Maxwell 2 reiht sich hier mit über 80 Stunden Laufzeit ein, allerdings erreichte schon sein Vorgänger diese Laufzeit, so dass ich davon ausgehe, dass man bei Audeze den Akku beibehalten hat.

Kling Klang

Audeze kommt wie erwähnt aus dem HiFi und kann außerdem Bluetooth. Also verbinde ich den Maxwell 2 zum ersten Probehören mit meinem Smartphone und lasse eine meiner Tidal-Playlists, die ich nur für solche Tests angelegt habe, über den Maxwell laufen. Die beinhaltet nicht nur die harten Sachen, die ich musikalisch bevorzuge, sondern auch Songs aus vielen Richtungen – ausgenommen Jazz, den bekomme ich nicht in meinen Kopf.

Wie erwähnt baut Audeze einige der besten HiFi-Kopfhörer, daher ist meine Erwartungshaltung an ein Headset, welches im Internet ab 369€ aufwärts gelistet wird, auch entsprechend hoch. Auch wenn der M2 als Gaming-Headset ausgeschrieben ist, so erwarte ich hier auch ein mehr als nur ordentliches HiFi-Bild. Da ich hier für den direkten Vergleich beide Versionen zu liegen habe, bin ich über die klanglichen Unterschiede tatsächlich überrascht. Das Headset klingt in den Grundeinstellungen komplett ausgeglichen, aber wo ist der Tiefton? In der App bemühe ich den 10-Band-Equalizer, aber so richtig kernig wird es weder mit eigenen Einstellungen, noch mit dem vorgegebenen Preset Bass Boost. Es wird also Zeit für das Gaming.

Anschluss an die Xbox

Mein hier vorliegender Audeze Maxwell 2 ist die Version für die Xbox, erkennbar an einem zierlichen grünen Streifen am Kopfbügel. Ansonsten hält man sich an das so schöne HiFi-Design, einzig das angesteckte Mikrofon macht den Unterschied zum Gaming-Headset. Der Maxwell 2 ist für Microsoft lizensiert, daher gibt es beim Anschließen über die Konsole keinerlei Probleme. Der mitgelieferte Dongle hat allerdings einen USC-C Anschluss, über den die Xbox nicht verfügt, daher findet man im Lieferumfang einen entsprechenden Adapter. Der Dongle wird an die Konsole gesteckt, innerhalb von Sekunden erkennt die XBOX das Headset.

Was allerdings auf der Playstation bei Weitem schöner gelöst ist, ist die Anzeige im Menü. Hier findet man in den Einstellungen auf Anhieb, welches Headset angeschlossen ist. Bei der Xbox steht schlicht, dass da überhaupt irgendein Gaming -Kopfhörer mit der Konsole verbunden ist. Dafür kümmert sich die Konsole von allein um die korrekten Sound-Einstellungen. Denn kurz nach der Installation erscheint die Meldung, dass nun Dolby Atmos zur Verfügung steht. Natürlich könnte man den Maxwell 2 auch per Klinkenstecker mit dem Joypad verbinden, aber dann steht eben kein Raumklang zur Verfügung. Und mit diesem Klinkenstecker lässt sich das Headset dann auch im klassischen Stereo-Modus an der PS5 oder der Switch verwenden. Der Dongle ist auch für die Zuführung vom Klang am PC zuständig, hier wird über den seitlich angebrachten Schieberegler zwischen Xbox und PC umgeschaltet.

Gaming-Sound – immer abhängig vom Sound-Designer

Gaming ist in so vielen Spielen großartiger Tiefton. Wenn ich mit einem Gaming-Headset spiele, möchte ich in ähnliche Klangwelten gezogen werden, wie das mein 5.1.2 Heimkino-System auch schafft. Allerdings tobt hier neben den verbauten Tieftönern in meinen Soavo-Standlautsprechern auch ein massiver, externer Subwoofer, der die Kulisse eines Games grollend durch den Raum trägt und das am Display Gezeigte akustisch auf ein perfektes Level hebt. Das ist alles kann ein Headset in dieser Form nicht. Dennoch benötige ich hier ebenfalls die vollständige Geräuschkulisse, denn nur mit dem bestmöglichen Klang in allen Frequenzbereichen entsteht die entsprechende Spannung zum Spiel. Man stelle sich ein Resident Evil reqiem ohne Sound vor. Erst die musikalische Kulisse baut hier diese immense Spannung bis hin zu Angst auf.

Nachdem ich in Sachen Musik eher ernüchtert bin, überrascht mich der Maxwell 2 dann beim Gaming. Aber hier ist es nicht der alles dominierende Bass wie bei zu vielen anderen Headsets, sondern die komplette Ausgewogenheit und Neutralität. In allen Frequenzen liefert der Ton das ab, was ich mir unter einem nicht wirklich preiswerten Kopfhörer vorstelle. Der Hochton nervt nicht mit unangenehmen Peaks, die Mitten sind für Dialoge wie gemacht, aber beim Bass werden sich die Geister scheiden. Selbstverständlich schaue ich nach dem ersten intensiven Hören und nachdem ich mir mein eigenes Urteil gebildet habe, zu jedem Testgerät auch in diverse Foren und lese die Meinungen und Beurteilungen anderer. Und hier ist der Bass das Thema, welches die Community spaltet.

Viele Gamer bemängeln den für sie mangelnden Tiefton, der sich auch über den Equalizer nicht wirklich herauskitzeln lässt. Einzig das voreingestellte Preset Bass Boost sorgt zumindest für einen vernehmbaren Bass. Aber das ist vielen Gamern eben nicht genug, der Bass muss Explosionen, Motorensound und sonstige Action in einem Ausmaß an die Ohren bringen, die im HiFi undenkbar wären. Und hier holt Audeze meines Erachtens die breite Masse der Spieler nicht ab. Ich habe mir zahlreiche Games bewusst in Sachen Tiefton angehört und für mich trifft der Maxwell 2 meinen persönlichen Geschmack, obwohl selbst ich mir an der einen oder anderen Stelle ein wenig mehr Druck und Intensität gewünscht hätte. Ein Battlefield 6 steckt voller Action und gerade die zahlreichen Explosionen hätten auf dem Maxwell 2 mehr zur Geltung kommen dürfen. Aber das ist eben ein schmaler Grat, hier den Geschmack auch derjenigen zu treffen, die bereit sind, viel Geld für ein solches Headset in die Hand zu nehmen. Dass der Maxwell 2 schon aufgrund seines Preises nicht für jedermann gemacht ist, steht außer Frage.

Aber auch in Sachen Design trifft der Maxwell 2 eher den Geschmack der älteren Spieler. Kein unnötiger Schnick-Schnack und kein Bling-Bling weisen unmissverständlich darauf hin, dass dieses Headset für das Gaming gemacht ist. Legt man einen hochwertigen HiFi-Kopfhörer und den Maxwell 2 ohne angeflanschtes Mikrofon nebeneinander, werden die wenigsten einzuordnen wissen, welches das HiFi- und welches das Gaming-Headset ist. Spannend wird dann hier die oben erwähnte Personalisierung mit austauschbaren Seitenschalen. Ebenfalls nicht gemacht ist der Maxwell für ununterbrochene Gaming-Sessions, denn das Gewicht von satten 560 Gramm verhindert einfach das stundenlange Tragen.


Zur Herstellerseite: Audeze Maxwell 2