Wer sich jetzt wundert, weil er schon einmal über den Test dieses Headsets bei uns auf der Seite gestolpert ist, liegt richtig. Denn vor fast genau einem Jahr haben wir den Fostex T50RPmk4g getestet, bei dem das „g“ den Unterschied zwischen Studio und Gaming machte, obwohl das bereits identische Geräte waren. Fostex wurde damals vom eigenen Erfolg überrascht, weil Gamer den eigentlich für das Studio konzipierten T50RPmk4 für sich zum Zocken entdeckt hatten. Damals hatte man offenbar in seiner Verzweiflung keine bessere Idee, als ein kleines „g“ an den Namen zu hängen und neue Verpackungen zu drucken, um den auf die Schnelle als Gaming-Headset zu deklarieren. Weil dem aber immer noch ein Mikrofon fehlte, reicht man dieses nun nach und hängt jetzt ein zusätzliches „+“ hintendran. Schwupps, schon hat man mit dem Fostex T50RPmk4g+ den vermeintlich ersten echten Gaming-Kopfhörer im Sortiment – was für ein Chaos in der Namensgebung …

Wie schon beim letzten Fostex Kopfhörer nervt mich sofort die lieblose und billige Verpackung. Eine simple und dünne Pappschachtel, in der das Headset hin- und herklappert, kann es nicht wirklich sein. Weder befindet sich ein Transportbeutel im Lieferumfang, noch ist das Mikrofon gesondert verpackt. Und das alles für den übermäßig ambitionierten Preis von 289€? Das passt einfach nicht! Ich habe heute einen Testbeitrag zum Razer BlackShark V3 Pro veröffentlicht. Auch hier gibt es kein Case oder einen Beutel, aber die Verpackung ist so gestaltet, dass ich das Headset sicher überall hin mitnehmen kann.

Und jetzt kommt der schwierige Teil dieses Tests, denn der Fostex T50RPmk4g+ ist absolut baugleich mit dem Fostex T50RPmk4g und dem Fostex T50RPmk4. Der Klang, die Verarbeitung und das Design passen also weiterhin, der einzige Unterschied ist nur das Mikrofon. Diesen Mehrwert lässt sich Fostex selbstverständlich bezahlen. Kosten die Studio- bzw. Gaming Version noch 251€, so kostet die Plus-Version wie oben erwähnt schon 289€, das ist eine Differenz von 38€. Das an sich wäre kein Problem, wenn man bei Fostex nicht auf die billigste Lösung in Sachen Mikrofon zurückgegriffen hätte. Warum also bietet man ein Mikrofon nicht einfach als Zubehör an, statt erneut denselben Kopfhörer erneut zu vermarkten?

Das mitgelieferte Mikrofon ist dabei eigentlich eine Frechheit. Statt eines gesonderten Mikros, welches sich separat an- und abstöpseln lässt, um das Headset aufgrund seiner klanglichen Qualitäten auch für HiFi oder das Studio nutzen zu können, wird das Mikrofon einfach an den Klinkenstecker geflanscht. Das ist beim Zocken noch okay, aber beim Musikhören möchte ich einfach kein Mikrofon dauerhaft vor der Nase haben. Anstatt also nun ein separates Mikrofon und Klinkenkabel in den Karton zu legen, bekomme ich hier eine 2-1 Lösung, die vollkommen unpassend ist. Man bietet dem zahlenden Kunden also die billigste aller Möglichkeiten an und lässt wie schon beim Namen jegliche Kreativität vermissen oder aber spart wie bei der Verpackung am falschen Ende.
Fostex gibt für das Mikrofon selbst folgende Daten an:
- Richtcharakteristik: Kugel
- Typ: Elektretkondensator
- Empfindlichkeit: -37±3 dB (0 dB=1 V/Pa, 1 kHz)
- Zubehör: Stereo-Kabel mit Mikrofon, Φ3.5 mm(3-Pol) auf Φ3.5 mm(4-Pol) 2 m x 1
Nun bin ich kein Experte für Mikrofontechnik, aber ich kann sagen, dass das Mikro beim Gaming seinen Zweck erfüllt. Man versteht mich am anderen Ende des Games fehlerfrei ohne Rauschen und sonstige Unterbrechungen.

Was zeichnet weiterhin ein gutes Gaming-Headset aus? Auf der einen Seite stehen Klang und Mikrofon, auf der anderen Tragekomfort und Bedienbarkeit. Bei den ersten drei Punkten ist das Fostex T50RPmk4g+ auf jeden Fall gut bis sehr gut dabei, aber in Sachen Bedienung ist das auf dem Stand von vor einigen Jahren hängengeblieben. Während echte Gaming-Headsets alle Funktionen wie Mute, Lautstärke von Headset oder Mikro oder sogar verschiedene Sound-Modi mit einem simplen Knopfdruck oder einem Drehregler an den Ohrmuscheln lösen, bietet Fostex hier tatsächlich einen billigsten Plastikregler integriert im Kabel an. Lautstärke und Mute werden über schwergängige Schieberegler angesprochen – das ist vollkommen aus der Zeit gefallen und hat heute nichts mehr mit einem aktuellen Gaming-Headset zu tun.
Es fällt mir also schwer, diesen Kopfhörer als echtes Gaming-Headset zu bezeichnen, weil der T50RPmk4(g)(+) noch immer ein großartiger Kopfhörer ist, den man für das Studio, das Musikhören und auch für das Hören bei Games bedenkenlos nutzen kann. Klanglich löst der perfekt auf, der Tragekomfort ist großartig und die Verarbeitung ist einwandfrei. Wer also mit einem improvisierten Mikrofon leben kann, darf den bedenkenlos kaufen. Alle anderen, die dieses Headset auch für Musik nutzen wollen, sollten überlegen, sich die Version ohne Mikrofon zuzulegen und sich dieses separat zu kaufen, wenn man denn mit dem Team kommunizieren möchte. Und das ist der Grund, warum ich für dieses Headset zum ersten Mal zwei Urteile vergebe.
Wer alles zum Klang und der Verarbeitung des Fostex T50RPmk4g wissen mag, schaut einfach in den Testbeitrag vom letzten Jahr >>>
Fazit:
Versteht mich nicht falsch, der Fostex T50RPmk4(g)(+) ist in all seinen Versionen klanglich ein großartiger Kopfhörer, wie ich das auch in meinem Test im letzten Jahr schon geschrieben habe, aber ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass hier von einem etablierten Unternehmen offenbar versucht wird, dem vermeintlich unbedarften Gamer das Geld aus der Tasche zu ziehen. Warum sonst wird zum 3. Mal ein identisches Produkt auf den Markt geworfen, statt dieses Mikrofon einfach als Zubehör anzubieten?
Das Headset liegt mit seinem Preis von 289€ im oberen Mittelfeld bei der Preisgestaltung von Gaming-Headsets. Das ist bei der gebotenen Qualität in Sachen Klang auch legitim – wenn man das aus HiFi- oder Studio-Sicht betrachtet. Aber ist es dann zu viel verlangt, einen Transportbeutel oder ein Case mit in den labberigen Karton zu legen und ein jeweils separates Mikrofon und Kabel anzubieten? Man darf bei Fostex nicht vergessen, dass man im Gaming gegenüber den üblichen Verdächtigen wie beyerdynamic, Razer, Logitech oder Corsair einfach noch keinen Namen hat. Da sollte man dann zumindest mit perfektem Auftreten glänzen.
Was man bei Fostex offenbar ebenfalls unterschätzt ist, dass auch Gamer absolute Musik-Fans sind. Ein Blick auf die entsprechenden Streaming-Dienste und deren Angebote zu Game OST ist inzwischen umfangreich. Dazu kommt der hohe Sammlerwert von auf Vinyl gepressten Gaming Soundtracks. Was also soll ich mit einem in das Anschlusskabel integrierten Mikrofon, wenn ich in Ruhe den grandiosen Soundtrack von Clair Obscur: Expedition 33 über Tidal und ab Februar auf Vinyl genießen möchte?
Ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals schreiben werde, aber ich bin sauer, weil ich glaube, dass Fostex hier nur auf den schnellen Euro aus ist, denn sonst hätte man sich in allen Belangen mehr Mühe gegeben, schließlich hatte man ein Jahr lang Zeit für gravierende Verbesserungen. Unter dem Strich steht hier ein tolles Studio-Headset, das durch einen Zufall für das Gaming entdeckt wurde und dessen Hersteller nun glaubt, ein Gaming-Headset zu präsentieren, weil man ein Mikrofon dranhängt. Zu einem echten Gaming-Headset gehört aber noch so viel mehr.

Link zum Hersteller: Fostex T50RPmk4g+
