Ich teste schon seit einigen Jahren zahlreiche Lautsprecher von Nubert, aber irgendwie war es im letzten Jahr neben unserem Test zur nuZeo 4 doch ziemlich still um den deutschen Direktversender aus Schwäbisch-Gmünd – zumindest vordergründig. Denn im Hintergrund wurden Stühle gerückt und mit Daniel T. Schütze ein neuer Geschäftsführer eingesetzt. Dennoch stellt man sich ein 50jähriges Jubiläum irgendwie anders und pompöser vor oder um es mit Loriot zu sagen: Früher war mehr Lametta. Aber das war die Ruhe vor dem Sturm, denn pünktlich zur High End 2025 ließ man bei Nubert die Katze aus dem Sack, die in diesem Fall Nubert nuVero nova heißt.

Aber hier nur einen einzigen neuen Lautsprecher zu präsentieren, wäre zu profan gewesen, so ein runder Geburtstag muss bei allen in Erinnerung bleiben und so bezeichnet die nuVero nova gleich eine ganze Serie von neuen Lautsprechern. Aber auch das wäre zu einfach gewesen, also setzt man diese Serie gleich an die Spitze der hauseigenen Nahrungskette und präsentierte in München das neue Vorzeige-Modell in Sachen Spitzen-HiFi. Die nuVero nova Serie wurde in München von Thomas Bien vorgestellt, bei dem ich schon zu Besuch in Schwäbisch-Gmünd war. Dort durfte ich mir alle seine heiligsten Hallen ansehen und bin immer wieder begeistert, mit welcher Leidenschaft er es schafft, auch die kleinsten technischen Details zu erklären – auch wenn ich ihm dabei manchmal nicht mehr folgen kann 😉
Mit der nuVero nova hat Thomas Bien offenbar freie Hand in der Entwicklung gehabt, denn was unter dem Strich alles in dieser Serie steckt, findet man sonst nur in ganz anderen Sphären vor. Nun steht hier kurz nach deren Veröffentlichung im Dezember 2025 die nuVero nova 9 und ich bin dann doch etwas verwundert, als der arme Paketbote sich Stufe für Stufe die Treppe hochschleppt, um die Speaker abzuliefern. Wiegt der Karton 29 Kilogramm, bleiben nach dem Auspacken pro Speaker immer noch 20,5 Kilogramm übrig. Und erst jetzt wird mir wirklich klar, was man bei Nubert da tatsächlich auf die Beine gestellt haben muss.
Nach der Befreiung des ersten Speakers aus seinem Umkarton schaue ich noch einmal bei Nubert auf die Website, ob ich auch die richtigen Speaker und ich nicht doch eine Nummer größer erhalten habe? Nein, die nuVero nova 9 waren bis zum Erscheinen der nova 5 im Januar 2026 tatsächlich der kleinste Lautsprecher der Serie. Stutzig macht mich dann der Preis, denn 1095,00 € für den einzelnen Speaker erscheint mir schon aufgrund von Gewicht, Verarbeitung und Design als sehr preiswert, aber gut, man wird sich in Schwäbisch-Gmünd lange und gründlich Gedanken über die Preisgestaltung gemacht haben.

Es sind die Kleinigkeiten, die einen Hersteller von Lautsprechern von einem guten Hersteller unterscheiden. In diesem Fall sind diese Kleinigkeiten ein Paar weiße Handschuhe und ein Putztuch, damit die Speaker nicht schon beim Aufstellen mit Fingerabdrücken übersät sind. Denn die einwandfreie Lackierung zeigt jede falsche Behandlung und Berührung gnadenlos auf. Gar keine Kleinigkeit hingegen ist das beigelegte Lautsprecher-Kabel mit Bananensteckern, welches woanders optional teuer erworben werden muss. Auch hier komme ich wieder ins Grübeln, wie der Preis der nova 9 zustande gekommen ist?

Auch wenn ich schon zahlreiche Speaker aufgebaut und getestet habe, ist die beigefügte Anleitung bei Nubert immer wieder ein Beispiel dafür, wie Print und PDF aussehen sollten. Denn diese ist so ausführlich, dass nicht nur der Profi weiß, worum es geht. Auch der Anfänger, der jetzt ins hochwertige HiFi einsteigt, bekommt genau erklärt, wie er von Aufstellung bis Anschluss mit den nova 9 umzugehen hat. Von der wandnahen Aufstellung und der Anwendung der Steckbrücken, bis hin zur Nutzung oder Nichtnutzung der Verbindungsbrücken am Anschlussterminal für Bi-Wiring und Bi-Amping lässt die Anleitung keine Fragen offen. Hier dürfen sich andere Hersteller gern ein Beispiel daran nehmen. Nicht jeder Käufer ist HiFi-Profi – und der will an die Hand genommen werden.
Der Blick auf die Rückseite ist dann für mich dann doch ungewöhnlich. Das liegt an den Steckbrücken, mit denen man den Klang seiner Neuerwerbung noch einmal justieren kann. Da wäre zum einen die Brücke für den Bass, die je nach Aufstellung entweder auf neutral oder aber wandnah gesteckt wird. Hier sollte man, je nach räumlicher Gegebenheit, für sich selbst testen, wo die wandnahe Aufstellung endet und man doch eher auf die neutrale Einstellung zurückgreift. Daneben gibt es eine Steckbrücke für die Anpassung der Höhen. Menschen, die auf Peaks reagieren, können auch hier zwischen zwei Einstellungen wählen.

Ebenfalls ein Hingucker ist das Anschlussterminal für die Lautsprecher. Wer ohnehin hochwertige Lautsprecherkabel verwendet, kann auf die beigefügten Kabel verzichten, alle anderen sollten hier auf die Nubert-Bananenstecker zurückgreifen, beides ist möglich. Wer mehr will oder vielleicht große Kabellängen zwischen entsprechendem Verstärker und Speaker zu überwinden hat, verwendet pro Speaker per Bi-Wiring zwei Kabel. Wer zusätzlich noch einen Vorverstärker sein Eigen nennt, schließt die Speaker per Bi-Amping an, bei dem jeder Verstärker einen Speaker-Eingang bestückt. Egal wie, die nuVero nova 9 ist für alle Eventualitäten vorbereitet. Wichtig ist in den beiden letztgenannten Fällen, die Verbindungsbrücken zwischen den Eingängen zu entfernen.

Lautsprecher sind heute nicht mehr nur Klangkörper zum Musikhören, der zahlende Kunde möchte auch Ästhetik und Design, wenn er schon Geld für einen Luxus-Artikel in die Hand nimmt. Niemand stellt sich Lautsprecher in seinen persönlich wichtigsten Rückzugsort, wenn die da einfach nicht hineinpassen. Das die auch klingen müssen, steht dabei außer Frage. Und hier haben Thomas Bien und das Nubert-Team Technik und Optik zu einem ungewöhnlichen Aussehen miteinander verknüpft. Denn statt dem allseits bekannten quadratisch, praktisch, gut findet man hier zahlreiche Rundungen, die eben nicht nur eine Designfrage sind, sondern die für genau den Klang sorgen, den die nuVero nova 9 von sich geben.
Auffällig sind sofort die zur Front hin ausladenden Rundungen. Statt der üblichen geraden Seitenwand, die maximal an den Kanten abgerundet wird, findet man hier fast schon einen Halbkreis an der Front der Speaker vor. Das wurde aber nicht gemacht, weil es schick aussieht, sondern weil diese Rundungen nach Aussage von Thomas Bien Kanten-Reflektionen im Mittel- und Hochton-Bereich vollständig ausschließen. Der Schall wird also statt wie bisher in den Kanten zu reflektieren – was zu Interferenzen und mangelnder Räumlichkeit führen kann – nun in diesen Rundungen gebrochen. Aber nicht nur diese Interferenzen so weit als möglich zu minimieren, war das Anliegen bei der Entwicklung, sondern auch ein möglichst weites Abstrahlverhalten sollte möglich sein. Auch hier sind die Rundungen der Speaker entscheidend.

Das Abstrahlverhalten der nova-Serie liegt bei jeweils 60 Grad an jeder Seite. Jeder kennt das Problem – die Lautsprecher sind auf den Sweep-Spot, also den persönlichen Lieblingsplatz ausgerichtet und alles klingt hervorragend. Bewegt man sich aber aus diesem Punkt weg, klingt so mancher Speaker schon nicht mehr ganz so großartig. Bei Nubert hat man es mit kleinen Kniffen geschafft, diese Aufgabe zu lösen. Durch die Anhebung von wenigen Dezibel im Bereich um 10.000 Hertz und die Senkung von Übergangsfrequenzen erreicht man ein Klangbild, das auch außerhalb des Hotspots noch hervorragend beim Hörer ankommt. Soweit die Theorie, aber mich haben die ersten Hörsessions dann wirklich überrascht, weil die nova 9 eine ungewohnt breite Bühne bieten. Hier läuft 24/7 Musik, ohne dass ich mir immer ausgiebig Zeit dafür nehmen kann, also auch wenn ich eigentlich mit anderen Dingen beschäftigt bin, nicht auf dem Sofa sitze und herumlaufe.

Allerdings habe ich gespannt und voller Vorfreude auf dem Sofa gesessen, um mir eine Künstlerin ganz genau anzuhören. Ich war auf einem Konzert von Beyond the Black, einer Symphonic-Metal Band, die seit 14 Jahren dabei ist und die neben einigen Auszeichnungen auch schon Auftritte in Wacken und anderen Festivals in ihrer Vita zu stehen hat. Die Band um Jennifer Haben legt aber immer auch gesteigerten Wert auf ihre Vor-Acts und so war es dieses Mal Seraina Telli, die mich komplett eingefangen hat. Die Schweizerin ist Sängerin, Songwriterin und spielt zahlreiche Instrumente, aber bei diesem Live Auftritt hat mich ihre Stimme sofort und vollständig mitgenommen, so dass ich das letzte verfügbare Album von Addicted to Color auf orangem Vinyl noch direkt am Merch-Stand kaufte und mit Seraina ins Gespräch kam. Ich liebe es, wenn Musiker trotz langer Karriere noch immer geerdet sind und sich Zeit für Fans nehmen. Seraina ist so eine Künstlerin.
Und was gibt es Schöneres, als neu erworbenes Vinyl direkt nach einem Konzert auf den eigenen Plattendreher zu legen und sich den Auftritt noch einmal im Kopf vorführen zu lassen? Auch wenn das gekaufte Album nicht das aktuelle ist, spielt das keine Rolle, denn gute Musik ist zeitlos.
So nehmen mich die Nubert nuVero nova 9 seit Tagen immer wieder an die Hand und lassen mich headbangend und randdebil grinsend durch die Wohnung hüpfen – hier ist das breite Abstrahlverhalten von immensem Vorteil. Auch zu Hause fasziniert mich die unfassbare Energie von Seraina Telli, die die Speaker in allen Facetten in mein Wohnzimmer zaubert. Klar, auch die akkuraten und so dynamischen Drums, die verschiedenen Gitarren mit den entsprechenden Riffs und der kernige Bass sind dabei, aber hier ist es Seraina Telli selbst, deren Stimme von den Speakern in allen Nuancen so intensiv dargestellt wird. Wie schrieb es das Reeperbahnfestival? Wenn Alice Cooper und Doro Pesch ein Kind hätten, wäre das Seraina Telli. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Was mich beim Test der nova 9 immer wieder überrascht ist, dass Größe und Klang scheinbar nicht wirklich übereinander passen. Denn für einen solch kompakten Speaker kommt da an der Front fast schon zu viel Klang heraus. Mit geschlossenen Augen auf dem Sofa vor den Speakern könnten das auch Standlautsprecher sein. Und das sind die nova 9 mitnichten, obwohl hier 180 Watt Leistung anliegen.
Nubert ist bei der Technik komplett neue Wege gegangen. Dazu wurde eine neue Frequenzweiche entwickelt, die das 3-Wege-System ansteuert. Beim 25 Millimeter Hochtöner verwendet man nun eine Kalotte mit einem Aluminiumtreiber statt bisher einen aus Kunstseide, beim Mitteltöner setzt man auf eine vierlage Membran aus Kohlefaser. Der Tieftöner mit seinen 168 Millimetern Durchmessern ermöglicht durch seine Einfassung tiefe Bässe. Und gerade diese Bässe haben mich bei der nova 9 tatsächlich verblüfft. Da hier handgespielte Musik auch der härteren Gangart das Maß der Dinge ist, gehört für mich The Police immer zu einem Test bei solchen Speakern dazu. Denn bei nur drei Instrumenten kann man sich hervorragend auf den von Sting gespielten Bass einlassen. Egal ob Message In A Bottle, Next To You oder Roxanne, der Tiefton wird von den Nuberts nahezu perfekt dynamisch ausgespielt. Gerade beim Titel Walking On The Moon ist Stings Bass das tonangebende Instrument, auch wenn es immer wieder ein Genuss ist, Stewart Copeland als einen der besten Drummer auf diesem Planeten bei seinem Spiel an den Snares und Tom-Toms zu lauschen. Auch hier sind die nova 9 auf den Punkt genau in ihrem Element.

Interessant war für mich die Aufstellung der Speaker. In jedem meiner verschiedenen Testräume stehen die Speaker je nach Größe des Phonoregals in unterschiedlichen Abständen. Nubert selbst gibt an, dass die nova 9 auch in größeren Räumen nicht mehr als 2,00 – 2,50 Meter Abstand voneinander haben sollten, um die bestmögliche Stereo-Bühne und Ortung von Instrumenten zu schaffen. Das war tatsächlich nur im Wohnzimmer möglich, da hier die räumlichen Gegebenheiten keine andere Aufstellung ermöglichen. In allen anderen Räumen wurden die maximal angegebenen 2,5 Meter übertroffen. Nun kann man nicht sagen, dass der Klang in dem oder anderen Raum besser oder schlechter gewesen wäre, man merkt aber auch aufgrund von Raumgrößen und Abständen einen Unterschied im Klang der Speaker. Dennoch bauen die nova 9 egal in welchen Raum eine tolle Bühne auch mit entsprechender Tiefe auf. Gerade bei meinen zahlreichen Metal-Aufnahmen merkt man, wie der Tontechniker das Album abgestimmt hat. Wenn man hört, dass die Drums hinter den Gitarren und dem Bass stehen, bekommt man ein wirklich gutes Gefühl, die Band live auf der Bühne zu erleben.

Gerade dieses Gefühl eines Live-Auftrittes verleitet mich bei Tests immer wieder dazu, die Pegel doch in Höhen zu schrauben, die einer guten Nachbarschaft abträglich sein können. Doch meine Nachbarn sind allesamt tolle Menschen und die kennen meinen Job und meine Leidenschaft zu harter Musik. Von daher läuft auch mal ein Album in Lautstärken wie im Huxleys oder dem Astra in Berlin durch, ohne dass mich jemand danach verhauen möchte. Selbst bei Pegeln nahe der Schmerzgrenze zeigen die Nuberts keinerlei Schwächen und hier verblüfft mich neben den komplett ausgewogenen Mitten erneut der Tiefton, der kernig, aber kultiviert aus den Treibern klingt. Da klirren keine Gläser auf dem Tisch, da vibrieren keine losen Gegenstände im Raum, der Bass sorgt genau für den Sound, wie ich ihn liebe.
Fazit:
Um die Analogie zum Fußball zu verwenden, könnte ich sagen, dass sich Nubert mit den nuVero 9 für die Champions League qualifiziert hat. Wir sind aber im HiFi und dennoch hat Nubert hier etwas geschaffen, was ich dem Unternehmen in Schwäbisch-Gmünd so nicht wirklich zugetraut hätte. Nubert stand für mich bisher mit Ausnahme der gewaltigen Soundbar nuPro XS-8500 RC, die noch immer alle bisher hier getesteten Soundbars um Längen überragt, immer für gutes HiFi im bezahlbaren Bereich – man war da, aber man war eben nicht wirklich aufregend. Das man bei Nubert Sound kann, war immer klar, aber das Design war bisher etwas, wo man niemanden so wirklich mit anlocken konnte.
Das alles ändert sich jetzt mit der nuVero nova Serie. Fast aus dem Nichts spielt man sowohl akustisch als auch optisch ganz oben mit. Das hier das Design der Funktion folgt, ist dabei ein sowohl technisch gewollter, als auch optisch unerwarteter und cooler Nebeneffekt. Und wenn ich dabei bedenke, dass es sich hier im Test „nur“ um die kleineren nova 9 handelt, die mir meine Musik regelrecht um die Ohren geknallt haben, dann bekomme ich eine ungefähre Vorstellung dessen, was die anderen Modelle der nova-Serie hier zu leisten in der Lage sein müssen.
Nun misst man sich bei Nubert mit den ganz Großen und macht dabei auf Anhieb eine richtig gute Figur. Dass man bei Nubert dabei aber nicht vergisst, wo man herkommt, spiegelt sich erstaunlicherweise im Preis wider. Statt sich auch in der Preisgestaltung gleich neben anderen ins oberste Regal zu stellen, behält man hier seine Kundschaft im Auge und gewinnt mit Sicherheit neue hinzu. Die zurzeit aufgerufenen 1095,00€ pro Stück sind überraschend und neben den bereits aufgeführten das Argument, sich die nova-Serie zum Hören zu bestellen. Die wenigsten werden die zurückschicken.

Link zum Hersteller: Nubert nuVero nova 9
