Razer ist seit Jahren einer der Platzhirsche im Gaming Bereich. Es gibt keine Peripherie für den PC oder die Konsole, welches Razer nicht im Angebot hat. Zahlreiche Tastaturen, Mäuse, Joypads und sogar Stühle gehören hier ebenso zum Repertoire, wie Kollaborationen mit verschiedenen Marken wie BLACKPINK, Pokemon oder 2XKO. Das Angebot bei Razer ist also inzwischen fast schon unüberschaubar. Von Anfang dabei sind jedoch Gaming-Kopfhörer. Neben den Serien Barracuda und Kraken gehört auch die BlackShark Serie zum Programm. Ich habe von Razer das aktuelle BlackShark V3 Pro für PC und Playstation erhalten.
Der Markt für Gaming Headsets ist inzwischen überlaufen, fast jeder Hersteller, der auf irgendeine Art Sound produziert, hat auch den einen oder anderen Kopfhörer für das Gaming im Angebot. Dass dabei auch eine Menge Ramsch auf den Markt geworfen wird, lässt sich kaum vermeiden. Hauptsache, man kann sich mit dem Begriff Gaming schmücken. Will man daher heute mit einem Headset bei Gamern punkten, muss man entweder schon lange dabei sein und seine Standards halten oder aber man stattet seine neuen Geräte mit Funktionen aus, die andere nicht bieten. Razer geht beim BlackShark V3 Pro beide Wege.

Auspacken – der erste Eindruck
Ich habe hier schon so viele Gaming-Headsets in den Fingern gehalten und bin jedes Mal aufs Neue gespannt, wie mich der erste Eindruck beim Auspacken eines Testgerätes abholt? Das BlackShark V3 Pro gehört zu den Kopfhörern, die mich beim Öffnen der Box überzeugen. Es mag blöd klingen, aber das Auge isst mit. Ein fester Umkarton und perfekte Aussparungen, in denen das Headset ordentlich liegt, hinterlassen schon einen sehr guten ersten Eindruck. Warum mir das wichtig ist? In der Verpackung befindet sich kein Case oder Beutel, um das BlackShark zu transportieren. Will ich das also irgendwo hin mitnehmen, bleibt nur der Karton. Und dieser ist so stabil, dass der Transport absolut sicher ist.
Das Headset ist also sicher gelagert, dazu liegen in einer weiteren Schachtel das ansteckbare Mikrofon, das Verbindungskabel für PC und Konsole auf 3,5 Millimeter Klinkenstecker, ein USB A auf C Ladekabel, sowie ein Dongle für Razer HyperSpeed Wireless Gen 2. Dieser ist für die kabellose Verbindung zum PC vorgesehen und wird per USB-C-auf-USB-A-Kabel an den Rechner gestöpselt. Dieses HyperSpeed Wireless Gen 2 nutzt 2,4 GHz und Razer gibt an, damit die Latenz auf in der Branche einmalige 10 Millisekunden zu senken.

Da ich als Kooperationspartner von Oehlbach Gaming mit zuständig für die neuen NEW GAME und refresh Gaming Kabel bin, achte ich sehr auf die Verarbeitung von mitgelieferten Kabeln. Razer spart hier zumindest haptisch nicht an der Qualität, beide Kabel sind aus Textil gefertigt und damit relativ knicksicher.
Der erste Eindruck des BlackShark V3 ist einwandfrei. Ja, die Ohrmuscheln sind wie üblich aus Kunststoff, aber der hinterlässt keinen billigen Beigeschmack. Die Haptik aller in die Muscheln integrierter Knöpfe ist ebenfalls perfekt. Jeder Schalter gibt ein einwandfreies Feedback und ist auch beim Zocken leicht zu bedienen. Beide Drehregler verfügen über ein leichtgängiges Raster. Die Muscheln sind mit zierlichen Metallbügeln mit dem Kopfband verbunden und hier überrascht die Größenverstellung. Denn statt diese wie sonst üblich in das Kopfband zu implementieren, verläuft die Anpassung hier innerhalb des Gelenks. Ein Raster sucht man also vergeblich, aber nach zahlreichen Stunden der Nutzung weiß ich jetzt, dass diese Führung absolut sicher ist und sich nicht verstellt. Das Headset behält die einmal eingestellte Größe. Allerdings stehen hier auf jeder Seite nur 3 Zentimeter zur Verfügung. Wer also über mehr als den bundesdeutschen Standard-Kopf verfügt, sollte das BlackShark V3 vorher probetragen.

Die Verarbeitung ist ohne jegliche Mängel. Kein Gelenk knarzt, weil an der unpassenden Stelle Plastik statt Metall verbaut wurde. Die Ohrmuscheln sind mit weichen Memory-Schaum sehr bequem, der Anpressdruck ist angenehm. Nervig ist manchmal ein zu dünn gepolstertes Kopfband, aber auch hier hat man bei Razer nicht am falschen Ende gespart, denn auch lange Gaming Sessions sind ohne schmerzenden Kopf möglich, auch wenn das Headset ein Gewicht von 367 Gramm mitbringt. Um noch einmal den Bezug zur Playstation zu unterstreichen wurde das Kopfband aus Kunstleder mit blauen Nähten versehen. Das ist ein nur ein kleines Detail, unterbricht aber schön das durchgängig schwarze Design. Beide Schalen der Muscheln sind für einen Akkuwechsel zudem abnehmbar, gehalten werden diese durch Magneten.
Technik – ANC und THX Spatial Audio
Technisch ist das BlackShark V3 Pro als Allrounder ausgelegt. Razer hat das Headset für das Gaming, Film, Musik und den eSport konzipiert. Dafür gibt es vier voreingestellte Modi, die mit einem Taster auf der rechten Ohrmuschel durchgeschaltet werden, obwohl Razer das BlackShark auf der entsprechenden Website eher als Pro Headset für den eSport bewirbt. Ausgestattet ist das Headset mit Razer TriForce Gen 2 Bio-Zellulose 50 Millimeter Treibern und einigen technischen Features, die aber in meinen Augen bei einem als Gaming-Headset definierten Kopfhörer wenig Sinn machen.

So verfügt das BlackShark über ANC. Das mag beim mobilen Musikhören Sinn machen, aber mir fehlt die Vorstellungskraft, mit diesem Headset auf der Straße unterwegs zu sein, da gibt es deutlich spannendere Alternativen – zum Beispiel den für mich momentan besten mobilen Kopfhörer, den Cambridge Audio Melomania P100. Für das ANC verfügt der Kopfhörer über vier interne Mikrofone, aber ich persönlich bin kein Fan von ANC, da mir dieses den Klang zu sehr verfälscht. Das gilt auch beim BlackShark. Außerdem verfügt das BlackShark nur über AAC und SBC als Bluetooth-Codecs.
Ein weiteres Feature ist THX Spatial Audio am Windows PC für simulierten Raumklang. Wenn man ein solches Feature nicht kennt, ist es zumindest anfangs beeindruckend. Doch je länger man in seinem Game sitzt, desto häufiger wird man feststellen, dass der Raumklang eben doch nur simuliert ist. Auffällig ist dies in Shootern. Ein Stereo-Kopfhörer bleibt eben ein Stereo-Kopfhörer. Und so schaltete ich nach einigen Minuten THX-Test wieder auf den klassischen Stereo-Modus. Aber das ist kein Razer- oder BlackShark Problem, ich bin mit einem halbwegs vollständigen 5.1.2 Heimkino ausgestattet und wer Raumklang wirklich erleben will, nutzt dafür kein Headset mit simuliertem Klang.

Eine Schwäche so vieler Gaming-Headsets ist das mitgelieferte Mikrofon. Viele Hersteller sind offenbar immer noch der Meinung, Hauptsache da hängt eins dran. Razer liefert hier das sogenannte HyperClear Vollband-Mikrofon mit, ein großer Name, der vieles erwarten lässt. Aber diese Erwartungen werden auch erfüllt, denn das Mikrofon ist tatsächlich richtig gut. So wurde ich sowohl beim Gaming auch als beim Chat im Home-Office einwandfrei verstanden.
Für die Verbindung von Headset und Zuspieler stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
- kabellos mit HyperSpeed Wireless Gen 2 über den Dongle
- Bluetooth
- USB
- 3,5 Millimeter Klinkenstecker
Damit lässt sich das BlackShark mit so gut wie jedem Gerät problemlos verbinden. Weiterhin steht für die Nutzung am Handy oder am PC verschiedene Software zur Verfügung. Am PC installiert ihr die Razer Synapse und könnt so verschiedene Einstellung beim Klang vornehmen und bis zu 9 eigene Voreinstellungen speichern. Für das Handy oder Tablet gibt es die App Razer Audio, die ebenfalls über zahlreiche Möglichkeiten zur Personalisierung bis hin zu einem 10-Band Equalizer reicht.

Klang – wofür braucht man sonst ein Headset?
Für den Klang-Test habe ich das Razer BlackShark V3 Pro an meine Playstation gehangen und für die optimale Verbindung das Oehlbach NEW GAME USB-Kabel verwendet. Aber um die Sache schon jetzt ganz kurz zu machen: In Sachen Gaming Sound gehört das Razer zu den richtig guten Headsets mit genau der Portion Bass, die ich mag. Zu viele Hersteller sind noch immer der Meinung, dass ein Gaming-Headset immer nur aus dauerhaftem Tiefton bestehen muss. Das mag vielleicht situationsbedingt bei einem Action-Game angebracht sein, aber in so vielen Spielen wie Astro Bot oder Gran Turismo kommt es auf das Maß an. Und dieses liefert das BlackShark V3 Pro im Modus Game. Hier ist der Klang sehr differenziert, statt einfach nur vom Tiefton niedergemacht zu werden.

Erstaunlich fand ich den Unterschied zwischen den Modi Game und eSports, aber dieser macht bei näherer Betrachtung durchaus Sinn. Legt der Modus Game den Fokus auf den totalen Gaming-Sound mit sämtlichen Geräuschen im Vordergrund und der Umgebung, rückt dieser bei eSports hörbar in den Hintergrund. Hier geht es im Team um Kommunikation und Absprache der richtigen Taktik, also muss ich meine Team-Member verstehen. Dies funktioniert jedoch nicht, wenn Sprache vom Gaming-Sound überlagert wird. Wer das Headset also für sich allein nutzt, findet im Modus Gaming die passende Einstellung, wer im Team spielt schaltet auf eSports.

Auch wenn ich die Auffassung vertrete, dass ein jedes gute HiFi-Headset auch im Gaming genutzt werden kann, so kann nicht jedes Gaming-Headset auch für Musik oder Film genutzt werden. Hier sind es allein die fehlenden Codecs, die das Musikerlebnis trüben. Ja, man kann sich Musik anhören, aber um wirklich Musik zu hören, greift man besser zu einem echten HiFi-Kopfhörer. Wer allerdings bisher keinen solchen zur Verfügung hat, wird auch mit dem BlackShark glücklich.
Fazit:
Das Razer BlackShark V3 Pro gehört definitiv zu den Guten. Das gesamte Konzept ist mit verschiedenen Sound-Modi durchdacht und auf das Gaming ausgelegt. Alle Knöpfe sind leicht erreichbar, die Haptik dazu ist einwandfrei, so dass man ohne langes Suchen oder Rumfummeln sofort die gewünschte Funktion nutzen kann. Der Tragekomfort ist nahezu perfekt, auch wenn das Gewicht von fast 370 Gramm auf Dauer dann doch in langen Sessions drückt. Aber das ist mein persönliches Empfinden.
Klanglich ist das Headset durchgängig ausgewogen, es trifft damit meinen persönlichen Geschmack, auch wenn es dem einen oder anderen an Dynamik beim Bass fehlen könnte. Dafür sind Stimmen detailreich und Höhen klar ohne zu klirren. Warum Razer hier allerdings ANC verbaut hat, wird das Geheimnis der Entwickler bleiben, denn vermutlich nutzt niemand dieses Headset unterwegs zum Hören von Musik. Dafür ist es nicht ausgelegt. Alles in allem ist das BlackShark V3 Pro ein wirklich gutes Gaming-Headset, bei dem allerdings der Preis von zurzeit noch ab 244€ aufwärts ein wenig erschreckt.

Link zum Hersteller: Razer BlackShark V3 PRO
