Ich durfte Axel Grell letztes Jahr auf der High End 2025 kennenlernen und wir kamen bezüglich seiner Kopfhörer ins Gespräch. Ich muss gestehen, dass mir der Name Axel Grell bis dahin nichts sagte, außer dass der von ihm präsentierte Kopfhörer OAE bei mir auf Anhieb einen spannenden Eindruck hinterließ. Erst später sollte ich erfahren, dass Axel Grell als ehemaliger Sennheiser-Entwickler an so bekannten Headsets wie dem HD 800 beteiligt war, bis er sich selbstständig machte. Ins Gespräch kamen wir, weil der neue OAE2 mit einem Mikrofon versehen ist und ich sagte, dass er das Headset deswegen nun auch im Gaming verwenden könnte. Überrascht hochgezogene Augenbrauen waren die Antwort, in diese Richtung hatte man offenbar noch nicht gedacht – warum auch, wenn man ein HiFi-Headset konzipiert? Wochen später hatten wir das erste Teams Meeting und im Frühjahr hielt ich hier den neuen Grell OAE2 in den Fingern.

Für viele alteingesessene Menschen in der Musik-Szene ist es noch immer unfassbar und grenzt an Frevel, wie wir so großartige HiFi-Kopfhörer wie den OAE2 (und auch viele andere) für das Gaming „missbrauchen“ können? Schließlich ist das ein hochwertiges Stück Technik, welches in der ach so ernsten HiFi-Szene beheimatet ist und kein Spielzeug für Nerds.
Gegenfrage: Was unterscheidet die eine Musik von der anderen? Wo liegt der Unterschied zwischen einer großartigen Stereo-Produktion und der hochkomplizierten Produktion von Gaming-Sound? Wer einmal in das Album Clair Obscur: Expedition 33 hineingehört hat wird nicht glauben, dass dies die Hintergrundmusik für das erfolgreichste und am meisten ausgezeichnete Videospiel des Jahres 2025 ist.
Die Musik ist so erfolgreich, dass die Europa-Tournee des Orchesters innerhalb weniger Tage ausverkauft war. Gleiches gilt für die so erfolgreiche Gaming-Serie HALO von Microsoft. Hier spielte das Dänische Symphony Orchester die HALO Trilogy und nannte das „Gaming in Symphony“
Dass immer mehr Gamer gute HiFi- oder Studio-Kopfhörer statt klassischer Gaming-Headsets für sich entdecken, zeigt die Geschichte um den Fostex T50RPmk4, einen eigentlich für das Studio entwickelten Kopfhörer. Ende 2024 veröffentlichte Fostex diesen Kopfhörer und man war überrascht, dass japanische Gaming-Foren dieses Gerät als absolut hochwertiges Headset für ihre Spiele feierten. Von diesem Erfolg vollkommen überrascht, reagierte man bei Fostex sofort und eher ungewöhnlich. Man hängte an den schon komplizierten Namen dieses Headsets ein kleines „g“, ohne irgendwelche technischen Veränderungen vorzunehmen und vermarktete dieses nun unter dem Namen Fostex T50RPmk4g als Gaming-Headset. Weil man aber noch immer kein Mikrofon für das Gerät zur Hand hatte, veröffentlichte Fostex das erneut technisch identische Headset in dritter Auflage im Januar 2026 jetzt mit ansteckbarem Mikrofon unter dem Namen Fostex T50RPmk4g+.
Bei uns muss sich jedes Headset allen Genres stellen. Der hochwertige HiFi-Kopfhörer muss sich ebenso im Gaming bewähren, wie dass das Gaming-Headset in der Musik muss. Und nicht selten schneidet das HiFi-Headset in beiden Bereichen besser ab, wenn man denn auf bestimmte Merkmale bei der Klangwiedergabe Wert legt. Da wäre wie immer in erster Linie der Tiefton. Wer der Meinung ist, dass guter Gaming-Sound nur aus alles vernichtendem Bass besteht, der macht um ein qualitativ hochwertiges HiFi-Headset besser einen großen Bogen. Denn dafür sind diese Kopfhörer nicht ausgelegt. Hier geht es um einen in allen Bereichen ausgewogenen Ton, der auch kleinste Details hervorbringt. Und genau so ein Headset ist der Grell OAE2. Erst wenn diese Details hörbar werden, taucht man auch vollständig in ein Game ab.

Warum sich der OAE2 von der breiten Masse anderer Kopfhörer abhebt und was dessen besondere Spezifikationen sind, hat hier mein langjähriger Freund und Kollege Holger Biermann von lowbeats.de in seinem hervorragenden Test beschrieben, der den Kopfhörer in all seinen Facetten bei der Entwicklung, der Technik und beim Klang erklärt. Diesem Beitrag ist nichts hinzuzufügen, deswegen habe ich mich für meinen Text einzig auf die Gaming-Tauglichkeit dieses großartigen Kopfhörers konzentriert. Und ich hatte verdammt viel Spaß damit!
Gaming ist auch immer Ästhetik und schon allein aufgrund seines ungewöhnlichen Äußeren fällt der OAE2 auf. Klar, unter dem Strich ist das ein ohrumschließender Kopfhörer mit Bügel, aber das Design der Ohrmuscheln sticht hervor. Dieses Lochgitter ist ungewöhnlich, spart aber vermutlich auch einiges an Gewicht ein. Mangelndes Gewicht kommt dem Tragekomfort zugute, bei mir waren auch längere Gaming-Sessions kein Problem. Anpressdruck wird von jedem Menschen anders empfunden, ich persönlich hatte den OAE2 auf den Ohren und fühlte mich aufgrund der großen und weichen Polster sofort wohl. Design und Tragekomfort passen also auf Anhieb.

Beim Gaming spielte ich mich durch meine umfassende Sammlung, angefangen wie immer bei großartigen Racern über Jump`n`Run, bis hin zu einigen Indie-Titeln wie Brotato, um am Ende bei Clair Obscur zu landen. Klanglich ist der OAE2 vollständig auf den perfekten Stereo-Sound abgestimmt. In allen Bereichen von ganz oben bis ganz nach unten gibt der sich keinerlei Blöße und arbeitet jedes noch so kleine Detail des Sounds heraus. Selbstverständlich bringt ein klassisches Gaming-Headset wie der Razer BlackShark V3 Pro oder ein JBL Quantum 360 Wireless mehr Bass auf die Bühne, aber wie bereits erwähnt, ist Bass nicht bei jedem Genre des Gaming das Maß der Dinge. Und dennoch machte der OAE2 auch beim Racing eine gute Figur.
Gerade die verschiedenen Sounds von Motoren ließen sich perfekt voneinander unterscheiden, aber besonders cool wurde der Sound, wenn ich bei Forza Horizon 6 mit meinen Lambo mehr oder weniger versehentlich vom Asphalt in die Botanik abdriftete und durch das Unterholz pflügte. Jeder Ast, jeder Stein und jede Leitplanke verursachten mir fast körperliche Schmerzen, weil meinem vorher so schönen Auto nun nur noch eine neue Lackierung helfen konnte – zumindest im Game, in der Realität werde ich mir einen Lambo nie leisten können. Wer bei Horizon 6 einfach nur durch das fantastisch dargestellte Japan fährt und alles auf sich wirken lässt – Ausnahme Tokyo, was ja wohl völlig daneben ist – der kann sich hier auch mal nur auf den unglaublichen Sound auch der verschiedenen Radio-Stationen konzentrieren und das Game mal anders genießen.

Selbstverständlich ist der Grell OAE2 bei den vielen kleinen Indie-Perlen hoffnungslos unterbeschäftigt, aber auch hier spielt er seine Qualitäten locker aus. Sei es Brotato oder aber die 49. Neuauflage von Bomberman, was ein Game an Sound ausgibt, bringt das Headset auch perfekt auf die Ohren. Und dennoch fällt mir eines im Vergleich zu anderen Kopfhörern immer wieder auf, wenn man zwischen den Games das Headset wechselt und sich die gleiche Passage mit unterschiedlichen Kopfhörern anhört: Der OAE2 bietet durch die Anordnung seiner Treiber ein etwas anderes Gefühl beim Hören. Die beiden Treiber sind nicht mittig platziert, sondern extrem weit vorn in der Ohrmuschel positioniert. Dadurch gelangt der Schall nicht direkt in den Gehörgang, sondern nutzt die einzigartige Konstruktion des Außenohrs, um Räumlichkeit zu erzeugen. Damit steht unter dem Strich eine breitere Bühne, als man das von klassischen Stereo-Headsets gewohnt ist.
Aber nur Hören würde den OAE2 nicht von anderen HiFi-Kopfhörern unterscheiden. Axel Grell hat für den ein auch Mikrofon erdacht und umgesetzt. Ich habe hier noch den Prototypen des Mikrofons erhalten, die fertige Version wird über einen längeren Schwanenhals verfügen. Ursprünglich soll das Headset damit auch für Content Creators oder im Podcast nutzbar sein, dass man damit auch während eines Spiels chatten kann, hatte man bei Grell Audio verständlicherweise nicht auf dem Schirm. Klar, der OAE2 verfügt nicht über eine Lautstärke-Regelung von Mikrofon oder Gaming-Sound und auch andere Dinge wie ein Mute-Schalter fehlen (noch), aber dennoch habe ich es genossen, abends mit Freunden zu zocken und zu quatschen. Welche Technik darin verbaut ist, ist mir unbekannt, aber Fakt ist, dass sowohl Podcast als auch Gaming-Chat einwandfrei funktionieren.

Wer den OAE2 ausführlich hören möchte, geht entweder zum Fachhändler seines Vertrauens oder aber erscheint bei uns auf der High End Vienna 2026 in der Gaming Zone. Wir haben das Headset zu liegen und schließen das gerne an Gaming-PC oder Konsolen an, damit du dir selbst ein Urteil bilden kannst.
Fazit:
Nach Wochen des Gamings mit einem Kopfhörer, der dafür in keiner Weise angedacht war, komme ich wieder zum gleichen Schluss: Selbstverständlich lässt sich ein großartiges HiFi-Headset wie der Grell OAE2 auch für das Gaming nutzen, wenn man denn persönlichen Wert auf einen vollständig ausgewogenen und detailreichen Klang legt. Ein HiFi-Kopfhörer ist von Natur aus schon anders abgestimmt als ein klassisches Gaming-Headset und dennoch hat mich der Sound des OAE2 begeistert. Gerade Games mit toller Musik und zahlreichen Sound-Effekten bringen hierbei ein richtig gutes Hörerlebnis.
Und ja, auch die Gaming-üblichen Dinge wie Mute oder Lautstärke für Headset oder Mikro sind (noch) nicht integriert, aber wer nicht leistungsorientiert am Gaming-PC spielt, sondern ein Headset für den klanglich möglichst perfekten Ausklang des Tages an der Konsole nutzt, um zu zocken und sich nebenbei mit Freunden auszutauschen, der wird mit dem OAE2 sicherlich glücklich – wenn er denn bereit ist, ein wenig mehr zu investieren. Der Grell OAE2 ist momentan mit 499€ ausgepreist, aber dafür erhält man einen großartigen Kopfhörer für Musik und Gaming.

Link zum Hersteller: Grell OAE2
